Studentenleben

Der erste Eindruck zählt

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Der erste Eindruck zählt

Entschuldigung, wären Sie so nett und würden ein Bild von mir machen! Aber bitte so, dass das Meer mit Sonnenuntergang zu sehen ist. Perfekt, jetzt muss ich es nur noch bearbeiten und fertig ist mein Bewerbungsfoto. Und dafür soll man beim Fotografen  Geld ausgeben.

Eines ist diesem Bewerber gesichert, Aufmerksamkeit. Aber reicht das?
Jetzt mal im Ernst, wie sieht eigentlich ein perfektes Bewerbungsfoto aus? Wovon träumen Personaler, wenn sie durch Hunderte von Jobanfragen blättern? Wie frei seid ihr in eurer Kreativität, oder gibt es eine Schablone für alle Fälle? Fakt ist, dass ihr euch mit einem aussagekräftigen Foto, von der Masse abheben könnt. Außerdem vermittelt ihr den Eindruck, dass ihr ernsthaftes Interesse für die ausgeschrieben Stelle habt. Das führt dazu, dass der Personaler eure Bewerbung aufmerksamer und positiv gestimmt lesen wird. Damit das klappt, möchte ich euch hier ein paar Tipps geben, denn: der erste Eindruck zählt. Bevor ihr euch zum Fotografen aufmacht, gibt es jedoch wichtige Punkte zu beachten.

Wie aktuell muss ein Bild sein?
Jeder von euch findet vermutlich in irgendeiner Schublade den Abzug eines älteren Pass- oder Bewerbungsfotos. Prinzipiell würde es sich anbieten dieses zu verwenden. Blöd nur, dass sich die Frisur verändert hat, der Bart abrasiert und das ein oder andere Fältchen dazugekommen ist. Ist ja nicht so schlimm, könnte man meinen.
Stellt euch einmal vor ihr werdet zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und der Personaler ist sich nicht sicher, ob ihr der/die richtige Bewerber/in seid. Wer möchte bitte so in ein Gespräch starten!? Zudem kann ein veraltetes Foto den Anschein erwecken, dass auch die restlichen Unterlagen, wie das Anschreiben und der Lebenslauf, veraltet sind. Die Faustregel besagt, dass ein Bewerbungsfoto maximal ein Jahr alt sein darf. Im besten Fall versucht ihr euch exakt so zu präsentieren wie auf dem Foto. Verwechslungsgefahr ausgeschlossen. ­

Over- oder lieber underdressed?
Ihr steht vor eurem Kleiderschrank und wisst einfach nicht was ihr anziehen sollt. Kleid oder Anzug empfindet ihr als zu schick, die Jeans in Kombination mit einem legeren Polo zu lässig. Macht euch Gedanken darüber, welche Kleidung ihr in dieser Position tragen würdet. In konventionellen Berufen, beispielsweise bei einer Bank, machen Männer mit Hemd, Sakko und eventuell einer Krawatte nichts falsch. Frauen setzen am Besten auf einen Blazer, eine fixierte Frisur und dezentes Make-up. Absolute NoGos sind, Shirts mit Aufdrucken, tiefe Ausschnitte und Knallfarben. Allgemein gilt beim Thema Farben Zurückhaltung. Anzug und Blazer sollten Dunkelblau oder Grau sein. Dazu passt ein neutrales weißes oder hellblaues Hemd beziehungsweise Bluse. Schaut euch doch einfach mal die Homepage des Unternehmens an und achtet darauf, was z.B. Mitarbeiter tragen. So erhaltet ihr einen Eindruck vom Kleidungsstil des Unternehmens und könnt diesen in euer Foto mit einfließen lassen. Am Ende gilt, lieber over-, als underdressed und ein gepflegtes Erscheinungsbild als Grundvoraussetzung.

Das Outfit und die Frisur sitzen? Dann fehlt nur noch jemand der euch richtig in Szene setzt und auf den Auslöser drückt. Fakt ist, das Honorar des Fotografen steht nicht zwingend in Bezug zur Qualität des Fotos.

Bei dem Fotografen war schon mein Dad, mein Bruder und die beste Freundin.
Generell ist es zu empfehlen, dass ihr euch für einen Fotografen entscheidet, der ein wenig Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann und dem auch das notwendige Equipment zur Verfügung steht. Wie geht ihr also vor? Wie auch in anderen Fällen, könnt ihr euch von Bekannten jemanden empfehlen lassen und werft mal einen Blick auf die Musteraufnahmen in seinem Schaufenster, auf seiner Homepage oder heutzutage in seinem Instagram-Feed. Wenn euch diese zusagen, folgt am besten ein persönliches Gespräch mit dem Fotografen. Er sollte euch anbieten, mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Outfits anzufertigen und euch diese am Ende digital auszuhändigen. Außerdem ist es oftmals sehr hilfreich, dass ihr euch die Bilder zwischen den einzelnen Aufnahmen, auf einem Bildschirm ansehen könnt, um zum Beispiel eure Körperhaltung oder die Frisur zu ändern. Ein guter Fotograf zeichnet sich eben nicht nur durch die Ausübung seines Handwerkes aus, sondern muss euch gut beraten können. Wichtig ist, dass ihr ihm vertraut. Je mehr Vertrauen ihr in den Fotografen habt, desto gelassener und positiver fühlt ihr euch während des Shootings. „Positiv“ ist auch das Stichwort für den nächsten Aspekt, den es zu beachten gilt.

Bauch rein, Brust raus.
Vermutlich haben die wenigsten von euch Erfahrung vor der Kamera. Ich behaupte sogar, dass sich einige von euch unwohl und teilweise auch überfordert gefühlt haben. Seid ihr privat am shooten und habt wenig Erfahrung, läuft das oft so ab. „Steh nicht so verkrampft da und lach mal mehr!“, heißt es oft vom „Fotografen“. Eure Mundwinkel gehen also nach oben, ihr zieht das Bäuchlein ein und schiebt die Brust nach vorne. Ihr fragt euch, wo ihr eure Arme hinmachen sollt und wie ihr eure Beine am besten positioniert. Nicht selten enden solche spontanen Fotosessions mit großer Unzufriedenheit, da ihr verkrampft und unnatürlich wirkt. Hinzu kommt, dass wenn man sich selber auf Fotos betrachtet, es sich so anfühlt, wie wenn man seine eigene Stimme in einem Video hört: „Bin das wirklich ich!?“ Klar ihr könnt jetzt sagen, dass die Arme, aber vor allem die Positionierung der Beine, beim Bewerbungsfoto nicht ausschlaggebend sind, da man sie in der Regel nicht sieht. Ist so aber nicht ganz richtig. Einen unsicheren Stand kann man zum Beispiel im Gesicht ablesen. Auch haben sowohl Beine, als auch Arme, eine sichtbare Auswirkung auf die gesamte Körperhaltung und den Wohlfühlfaktor. Versucht deshalb möglichst natürlich zu bleiben. Bei manch einem klappt der Oneshot, bei anderen geht es eben ein wenig länger. Macht euch deshalb aber nicht verrückt. Es kann durchaus helfen, wenn ihr euch mit dem Fotografen oder eurer Begleitung unterhaltet um sich wohler zu fühlen und zu vergessen, dass ihr vor einer Kamera steht. Bleibt euch treu und habt einfach Spaß.

Je größer, desto besser?
Wenn man sich ältere Bewerbungen anschaut, gleicht das Bewerbungsfoto oftmals einem typischen Passbild für den Personalausweis oder Führerschein und wurde lediglich in den Lebenslauf eingebunden. Modern ist heutzutage ein Deckblatt mit einem etwas größerem Bild (ca. 14x9cm) im Querformat. Allerdings ist gegen das klassische Hochformat nichts einzuwenden. Ob lieber Quer- oder Hochformat kommt ganz auf euren persönlichen Geschmack an und wie ihr die Bewerbung aufbauen möchtet. Hier seht ihr ein Beispiel, wie man ein tolles Foto in die eigene Bewerbung einbauen kann. Sowohl auf dem Deckblatt, als auch im Lebenslauf.

Lohnt sich der Aufwand?
In manchen Ländern wie zum Beispiel der USA, Kanada und Großbritannien sind Bewerbungsfotos nicht erwünscht. Man geht sogar davon aus, dass einige Personaler, Bewerbungen mit Bild bei Seite legen und ignorieren. Ganz anders gestaltet es sich in Deutschland. Trotz einiger kritischer Stimmen von Führungspersonen wie zum Beispiel Janina Kugel, Personalchefin bei Siemens, die Bewerbungsfotos als überflüssig empfindet und der Meinung ist, dass, „[…] Firmenverantwortliche auf Basis solcher Bilder beeinflusst werden und dadurch nicht die richtigen Personalentscheidungen treffen“, ist die Anzahl an Bewerbungen ohne Bild, verschwindend gering. Das obwohl es seit 2006 und der Verabschiedung des AGG (Allgemeines Gleichstellungssetz) zur „Vermeidung der Diskriminierung von Bewerbern“ weggelassen werden darf.

Abschließend lässt sich festhalten, dass ein gutes Bewerbungsfoto durchaus eine positive Auswirkung auf den Personaler und dadurch auf den gesamten Verlauf des Bewerbungsverfahren haben kann. Ganz entscheidend ist aber, wie die einzelnen Komponenten wie das Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse harmonieren und sich ergänzen. Habt ihr jedoch keine Lust auf ein Shooting, weil ihr euch vor der Kamera nicht wohl fühlt oder euch der finanzielle Aufwand zu hoch ist, verzichtet lieber auf das Foto, als das letzte Urlaubs-Selfie zu verwenden.

Sparfüchse aufgepasst!
Da ich ja selber Student bin und mich finanziell gerade so durchs Leben schleppe, bin ich super happy, dass wir in der Grafik Werkstatt die Möglichkeit haben, eigene Bilder zu machen. Ihr findet dort einen passenden Hintergrund und könnt im Normalfall auf ein Blitzsystem und eine Kamera zugreifen. Wichtig ist nur: „Freundlich nachfragen und einen Termin zu vereinbaren“ ;).

Bildquellen

Alle Bilder wurden von mir selbst erstellt.