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Vero – Haben soziale Netzwerke noch eine Chance?

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Vero – Haben soziale Netzwerke noch eine Chance?

Damals Myspace, schüler- und studiVZ und ICQ. Heute Facebook, Instagram und Twitter. Doch neben diesen bekanntesten sozialen Netzwerken gibt es unzählige andere Online-Anwendungen und Messenger, die in dem App-Store-Regal verstauben, wie Vero – True Social. Sind sich alle diese Apps ähnlich? Ist es für Apps dieser Gattung überhaupt noch möglich, an die Oberfläche zu gelangen?

Die vernetzte Jugend

Viel Erklärungsbedarf besteht bestimmt nicht bezüglich sozialer Netze, zumal sich 69% der Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 täglich dort aufhalten [1]. Die meisten Anwendungen bieten die altbekannte Chat-Funktion via Direktnachrichten oder eine Kommentarfunktion. Es gibt  unzählige Möglichkeiten, irgendjemandem irgendetwas im Internet mitzuteilen. Das Paradebeispiel ist hier selbstverständlich Facebook.

Leider verliert man bei den bunten Aktivitäten-Posts mit Gefühlslagen-Angabe und den Gifs, Emojis, Stickern und Wink-Animationen im Privatchat sehr schnell den Überblick. Doch wenn in Facebook und Co. schon alle Funktionen in jeglichen Kombinationen verbaut sind, wieso nehmen die Social Networks 2,11% der knapp 6 Millionen Apps [2, 3] in allen App-Stores ein?

II. Vero Logo

Vero – das nächste Facebook?

Es scheint, als hätten viele Schöpfer der artengleichen Apps hoffnungsvolle Ambitionen, der nächste Zuckerberg zu sein. Doch nur sehr wenige kommen überhaupt nur ansatzweise in die Dimensionen von Facebook und Co. Eine dieser wenigen ist Vero – True Social. Vero ähnelt dem großen Bruder Instagram am meisten, mit folgenden Besonderheiten: Eine Telefonnummer ist Pflicht. Auf Direktnachrichten wird größeren Wert gelegt. Außerdem soll Vero komplett werbefrei bleiben, was für viele genervte Anzeigen-Feinde als fettes Plus gilt.

Auf einen Filter-Algorithmus wurde bewusst verzichtet – also kein angepasster Content, sondern das volle Programm. Dies könnte sich jedoch mit steigender Nutzerzahl zu einem Problem entwickeln. Durch nur begrenzte kostenlose Accounts machte sich Vero den FOMO-Effekt zunutze (fear of missing out). Zudem schienen viele Influencer plötzlich von der App begeistert zu sein und den #vero überall zu streuen, was Vorwürfe über eine geheime Influencer-Kampagne und somit einen gefälschten Hype aufbrachte.

III. Fame Icon

15 minutes of fame

Prognosen prophezeien jedoch eine sehr kurze Lebenszeit für die App. Viele „User“ verlassen die Plattform schon wieder, was man an zwei Millionen Downloads und nur halb so vielen Nutzern im Frühjahr 2018 sieht [4]. Viele technische Probleme wie Serverausfälle und Bugs verscheuchten die Kunden des Februar-Hypes wieder, womit die Beliebtheit der App wieder stark dezimiert wurde. In Kombination mit der starken Ähnlichkeit zu den anderen sozialen Netzwerken erfreuen diese sich wieder über die Rückkehr der Pioniere, die von Vero enttäuscht wurden.

Somit lässt sich die Frage des explosiven Aufschwungs der App mit nicht mehr erklären, als dass sie zur Richtigen Zeit entworfen und über die richtigen Promoter publik gemacht wurde. Internet-Trends kommen und gehen, meist auf dieselbe unerklärliche Art und Weise. Doch der plötzliche Fall ist nachvollziehbar und viel ausschlaggebender. Am erfolgreichsten sind die Apps, die sich über längere Zeit behaupten und am Markt halten können. Denn die heutige Nutzerschaft bewegt sich mit starker Geschwindigkeit und somit sind trendige Programme und Apps genauso schnell gelöscht, wie man sie gedownloadet hat.

Um mit etwas zu punkten, was es schon in zahlreichen Ausführungen auf dem Markt gibt, muss eine deutliche Innovation zu erkennen sowie vor Kopie geschützt sein und genau das gilt auch für Apps wie Vero. Gerade bei Apps wie sozialen Netzwerken ist dieser Punkt kritisch, da diese mit wenigen Nutzern eher einer digitalen Geisterstadt ähnelt, die nicht unbedingt zum Registrieren einlädt. Jedoch ist dieses Prinzip auf jede App übertragbar, welche über Influencer an Ansehen gewinnt, weshalb dieses Beispiel als Lektion für App-Marketing gesehen werden kann.

Damit ein anderes soziales Netzwerk starten, durchbrechen und Giganten wie Facebook überholen kann, müssen kleine Hintertüren gefunden werden. Angebotslücken, die keine der bisherigen Netze anbieten. Denn dies sorgt dafür, dass bei Nutzern die Grenze vom bloßen Interesse über den Probe-Download bis hin zur regelmäßigen Nutzung überschritten wird. Diese Lücken sind aber schwer zu finden, sofern es überhaupt noch welche gibt. Die Chancen stehen also sehr schlecht. Außerdem haben potentielle Nutzer oftmals auch keine Motivation, sich schon wieder bei etwas Neuem anzumelden und Speicher auf dem Smartphone dafür zu opfern.

Deshalb lautet meine Prognose: Facebook ist, in diesem Umfang und mit diesem Bekanntheitsgrad, das letzte soziale Netzwerk seiner Art. Abgelöst wird dieses dann wahrscheinlich eher von einer neuen Art der Kommunikation, als von einem Nachfolger im selben Bereich.

IV. Zitat von Stefan R. Munz [5]

Um mit etwas zu punkten, was es schon in zahlreichen Ausführungen auf dem Markt gibt, muss eine deutliche Innovation zu erkennen sowie vor Kopie geschützt sein und genau das gilt auch für Apps wie Vero. Gerade bei Apps wie sozialen Netzwerken ist dieser Punkt kritisch, da diese mit wenigen Nutzern eher einer digitalen Geisterstadt ähnelt, die nicht unbedingt zum Registrieren einlädt. Jedoch ist dieses Prinzip auf jede App übertragbar, welche über Influencer an Ansehen gewinnt, weshalb dieses Beispiel als Lektion für App-Marketing gesehen werden kann.

Quellen

Textquellen

1 ARD/ZDF-Onlinestudie 2017| ard-zdf-onlinestudie.de
2 Statista 2018 | statista.com
3 Statista 2018 | statista.com
4 DMR | expandedramblings.com
5 Aphorismen – Stefan R. Munz, Produkt- und Organisationsentwickler | www.aphorismen.de

Bildquellen

I. Social Media Apps | pixabay.com
II. Vero Logo | br.de
III. Fame Icon | Grafik selbst erstellt, Icon von Freepik flaticon.com
IV. Zitat Stefan R. Munz | Grafik selbst erstellt