Studentenleben

Wenn fünf Minuten zu einer Stunde werden – Pendeln mit der Deutschen Bahn

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Wenn fünf Minuten zu einer Stunde werden – Pendeln mit der Deutschen Bahn

Tagtäglich mit der Deutschen Bahn – Was wie der Titel einer modernen Tragödie klingt, ist für viele Menschen bittere Realität. Bundesweit stehen jeden Tag Millionen von Menschen an den deutschen Bahnhöfen und warten. Sie warten, hoffen und beten, dass ihr Zug kommen wird. Doch wenn das Stahlungetüm endlich einfährt, ist das erst der Beginn eines alltäglichen Wahnsinns. Ein sarkastischer Beitrag über das Pendeln mit der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn & Ich

Viele Studenten in Offenburg pendeln alltäglich zur Hochschule. Dazu gehöre auch ich. Betrachtet man alleine meine bisherige Studienzeit, so kann ich auf fünf Jahre alltäglichen Fahrens mit der Deutschen Bahn zurückblicken. Und auch wenn ich mir sicher bin, dass die Deutsche Bahn im Grunde ihres Herzens von ihren Kunden gemocht werden möchte, so vehement wehrt sie sich doch gegen jegliche aufkommende Sympathie. Die Deutsche Bahn als Unternehmen verdeutlicht das, was uns Facebook mit jedem neuen Datenskandal zeigt: Wer das Monopol hat, der braucht sich nicht zu fürchten, dass die Kunden weglaufen – oder im Fall der Bahn, wegfahren. Sie können es ja nicht, wenn der Zug wieder einmal ausfällt.

Wenn gefrorenes Wasser über Stahl triumphiert

Wind, Regen und – Gott bewahre! – Schnee! Was für mich nach normalen Witterungsbedingungen klingt, ist für die Deutsche Bahn offensichtlich eine unvorhersehbare Katastrophe. Bisher scheint man in der Zentrale des Unternehmens noch nicht die Kausalität zwischen Jahreszeit und dem Herabsinken von gefrorenem Wasser festgestellt zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, wieso, wie einst die Deutschen Panzer in Russland, jedes Jahr die Deutschen Züge in Deutschland reihenweise zum Erliegen kommen. Daher ist es als Kunde der Bahn besonders wichtig, sich im Winter warm anzuziehen. Denn wer weiß schon, wie lange man auf seinen Zug wird warten müssen?

Bild 2. Weil die Gattung der Züge - lat. tramen - ursprünglich aus England stammt, ist der Zug nur unzureichend für den kalten, deutschen Winter ausgestattet.
Bild 2. Weil die Gattung der Züge – lat. tramen – ursprünglich aus England stammt, ist der Zug nur unzureichend für den kalten, deutschen Winter ausgestattet.

Besser eine Meldung zu viel, als eine zu wenig!

Vor ein paar Monaten durfte ich in Bühl – der Bahnhof dort ist beinahe als heimelig zu bezeichnen – ein besonderes Phänomen beobachten. Auf der Informationstafel prangte in nüchternen Lettern die unheilvolle Ankündigung, dass der Zug ganze zwanzig Minuten Verspätung haben werde. Knapp die Hälfte der wartenden Masse verließ daraufhin den Bahnhof … und verpasste die pünktlich eintreffende Bahn, die natürlich ebenso pünktlich abfuhr.

Neuerdings beliebt - Safari im Gleisbett. Nur hier lassen sich die scheuen Züge der Deutschen Bahn in ihrer natürlichen Umgebung beobachten
Bild 3. Neuerdings beliebt – Safari im Gleisbett. Nur hier lassen sich die scheuen Züge der Deutschen Bahn in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

Zukunftsweisend!

Es war in einem Sommer vor ungefähr vier Jahren, als, statt eines wohl klimatisierten Regionalzugs mit zwei Stockwerken, ein fahrender Schrotthaufen an meinem Bahnsteig stoppte. Ein Relikt jener Tage, als in der BRD noch die Bundesbahn und in der DDR – ironischerweise – die Reichsbahn, die Passagiere von A nach B brachte. Nach etwas Mühe beim Einsteigen durfte ich eine halbe Stunde lang Vergangenheit pur erleben, und dank uralter Polster, auch riechen.

Beinahe ausgestorben - Die Dampflokomotive - lat. vaporaria machina - findet sich nur noch in Reservaten
Bild 4. Beinahe ausgestorben! Die Dampflokomotive – lat. vapor motivum – findet sich nur noch im Reservat. Anders als ihre jüngeren Verwandten, gilt die träge Dampflokomotive als wenig scheu.

Überforderung auf allen Ebenen

„Also warum wir jetzt stehen bleiben, weiß ich auch nicht.“ – Wenn die Menschen in Deutschland über eine Tatsache froh sein sollten, dann, dass die Deutsche Bahn keine Flugzeuge betreibt. Nicht nur, dass die Bahn generell mit Fahrzeugen überfordert zu sein scheint, auch die Kommunikation, die unerlässlich für den Luftverkehr ist, klappt so gar nicht. Oben genanntes Zitat entstammt der Durchsage eines Lokführers, als unser Zug nach zweieinhalb Minuten Fahrt auch schon wieder vor Karlsruhe die Bremsen anzog und einfach stehen blieb.

Bis zu 160 kmh! - Fühlt sich die gemeine Regionalbahn verunsichert, kann sie blitzschnell die Flucht antreten.
Bild 5. Bis zu 160 kmh! – Fühlt sich die gemeine Regionalbahn bedroht, kann sie blitzschnell die Flucht antreten. So entkommt sie mühelos wütenden Fahrgästen und überfüllten Bahnhöfen.

Was die Bahn aus uns Menschen macht

In der Bahn trifft man so allerhand Leute. Es gibt die netten, freundlichen Mitmenschen, mit denen man während der Fahrt gemütlich Karten spielen kann. Dann gibt es die betrunkenen Aggressiven, die sich größte, aber vergebliche Mühe geben, der Bundespolizei heftigen Widerstand zu leisten. Und dann gibt es noch die Skurrilen. So durfte ich einmal einen Mann kennenlernen, der mir ohne jedes Zutun meinerseits, euphorisch einen Stapel mit ausgedruckten Excel-Tabellen präsentiert hat. Seiner Aussage nach, wären diese Tabellen der Schlüssel zum Erfolg im Glücksspiel. Er stieg in Baden-Baden aus und seitdem sah ich den Mann nie wieder. Womöglich ist er jetzt Millionär.

Bild 6. Keine Menschen in der Nähe und ein Schienennetz an Fluchtmöglichkeiten. Hier fühlt sich die Herde sicher und geborgen.
Bild 6. Keine Menschen in der Nähe und ein Schienennetz an Fluchtmöglichkeiten. Hier fühlt sich die Herde sicher und geborgen.

Verkehrsverbundverbände und Verkehrsverbandverbünde

Wer glaubt, dass die Deutsche Kleinstaaterei mit dem Kaiserreich ein Ende fand, der hat noch nie die Karte der Verkehrs- und Tarifverbünde in Deutschland gesehen. Über 70 Verkehrsverbünde, in der Ortenau zum Beispiel die TGO, haben die Bundesrepublik unter sich aufgeteilt. Bemerkenswert hierbei ist nicht nur die schiere Anzahl, sondern auch die mitunter aberwitzige Grenzziehung. So braucht man von Bühl nach Offenburg zwei Monatskarten, weil eine halbe Wegstrecke eben noch zur KVV und nicht zur TGO gehört. Dass so manche Kunden gezwungen werden, praktisch das Doppelte im Monat zu zahlen, nur weil sie rund zehn Kilometer zu weit nördlich wohnen, interessiert die Verbünde nicht.

Gefährlich! - Ein Schild warnt vor dem gemeinen Höhlenzug, der auch Menschenfleisch nicht verschmäht.
Bild 7. Gefährlich! – Ein Schild warnt vor dem gemeinen Höhlenzug, der auch Menschen als potenzielle Beute betrachtet.

Schenke der Deutschen Bahn ein Lächeln

Wie schon zu Beginn gesagt, im Grunde ihres Herzens will die Bahn gemocht werden. Das beweist schon ein Blick auf die Internetseite des Unternehmens, denn dort lächelt so ziemlich alles, was ein Gesicht hat. Es soll uns also Spaß machen, mit dem Zug zu fahren. Vielleicht wird das ja eines Tages auch Realität, lächelnd am Bahnhof zu stehen und zu wissen, dass die Bahn kommen wird.

Wenn ihr noch mehr über kuriose und lustige Erlebnisse bei der Deutschen Bahn lesen wollt, so könnt ihr euch diesen Artikel anschauen.