Urban Gardening – gemeinschaftlich nachhaltig

Gemüse aus dem Garten
Urban Gardening
W ir leben in einer Zeit der Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Wir wollen Nahrungsmittel aus der ganzen Welt möglichst schnell und einfach kaufen und konsumieren können. Allerdings bringt das auch gravierende Auswirkungen auf unsere Umwelt mit sich. Wie können wir dem etwas entgegenwirken und unseren Lebensstil nachhaltig verbessern? Wie kann Ernährung in der Zukunft aussehen? Urban Gardening könnte ein Beitrag zu einer Lösung sein.

 

Was ist Urban Gardening?

Der Begriff Urban Gardening, auch Urban Farming genannt, spricht für sich selbst. Er beschreibt die Nutzung urbaner, also städtischer Flächen, zum Gartenbau und Anbau von Obst und Gemüse. Im Gegensatz zur herkömmlichen Landwirtschaft geschieht dies auf kleinerem Raum und wird von der Bevölkerung meistens gemeinschaftlich organisiert und genutzt. Es gibt es viele verschiedene Formen und Anbaumöglichkeiten, hier sind ein paar Beispiele:

Urbanes Gewächshaus
Urban Gardening – Gewächshaus in der Stadt (*2)
    • Gemeinschaftsgarten
    • Kleingarten (Schrebergärten)
    • Dachgarten
    • Permakultur
    • Vertikale Landwirtschaft
    • Kartoffeltonne

 

 

Die Wurzeln des Urban Gardening

Die Geschichte des Urban Gardening reicht weit zurück. Der Anbau vieler Lebensmittel musste aufgrund deren geringer Haltbarkeit für lange Zeit zwangsläufig in der unmittelbaren Nähe von Siedlungsgebieten erfolgen.Viele Stadtbürger in der Antike und im Mittelalter hatten eigene Gärten. So wurden lange Transportwege vermieden und die Nachfrage der Stadtbevölkerung nach frischen Lebensmitteln gewährleistet. In Paris wurde im 19. Jahrhundert knapp ein Sechstel der gesamten Stadtfläche zum Anbau von Nahrungsmitteln verwendet. Etwa 8.500 Gärtner kümmerten sich um die Gärten, die jährlich einen Ertrag von knapp 100.000 Tonnen an frischem Obst und Gemüse lieferten. Im 19. Jahrhundert entwickelte der deutsche Wirtschaftsgeograf Johann Heinrich von Thünen ein Modell zur Landnutzung, basierend auf der Nachfrage der Stadtbevölkerung und den Transportkosten sowie -möglichkeiten.

Thünensche Ringe
„Thünensche Ringe“, Landwirtschaftsnutzungsmodell von Johann Heinrich von Thünen, 19. Jahrhundert (*3)

Erst mit der Verbesserung der Transportmöglichkeiten gegen Ende des 19. Jahrhunderts, konnten verschiedene Lebensmittel auch weiter entfernt angebaut werden. Dennoch spielte städtischer Gartenbau, gerade in Kriegszeiten, auch später noch eine entscheidende Rolle. So wurde die Bevölkerung im ersten und zweiten Weltkrieg dazu aufgerufen jede verfügbare Fläche zum Anbau von Lebensmitteln zu verwenden ( z.B. einen Schulhof als Kartoffelacker).

Die moderne urbane Gartenbewegung jedoch, die seit den 90er Jahren stetig wächst, hat ihren Ursprung in den New Yorker Gemeinschaftsgärten der Siebzigerjahre. Die Community Gardens sind noch immer grüne Oasen mit Blumenbeeten und Gemüseanbau zur Selbstversorgung. Neu an diesen Gärten war, dass sie nicht nur gärtnerische, sondern auch soziale, ernährungspolitische, ökonomische, künstlerische und stadtgestalterische Fragen miteinander verknüpften. Die Idee dieser Gemeinschaft, verbreitete sich rasch in ganz Nordamerika und später auch Europa.

Nutzen und Vorteile

Natürlich sind wir heute durch bedeutende Fortschritte im Transport, in der Verpackungstechnik und durch Konservierungsstoffe nicht mehr zwingend darauf angewiesen, unser Gemüse vor Ort anzubauen. Vielmehr können wir es tiefgekühlt, abgepackt und verzehrbereit in jedem Supermarkt kaufen. Für Stadtbewohner in ärmeren Ländern hingegen bietet Urban Gardening eine Möglichkeit zur Subsistenzwirtschaft. Das bedeutet für sie eine finanzielle Entlastung, weil sie viel ihres eigenen Bedarfs an Lebensmitteln durch Eigenanbau produzieren können. Auch Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln wird dadurch vorgebeugt.

Gartengemüse
Gemüse aus lokalem Anbau (*4)

In Europa und Nordamerika steht nicht die Subsistenzwirtschaft, sondern eher die Verschönerung und Bereicherung des Lebens in der Stadt sowie die Bildung neuer Gemeinschaften im Vordergrund. Auch verbessern Gärten und Beete das städtische Mikroklima und die Artenvielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt. Aus dieser Idee sind bereits einige soziale Bewegungen entstanden, die auf die wachsenden globalen Herausforderungen und städtische Defizite reagieren. „Slow Food“ ist eine der bekanntesten. Sie setzt sich für einen nachhaltigen Lebensstil sowie für einen sozial gerechten und lokalen Anbau ein.

Weil der Bedarf an nachhaltig, umweltfreundlich und fair produzierten Lebensmitteln weltweit immer weiter ansteigt, macht es Sinn, über eine nachhaltigere Stadtentwicklung nachzudenken  und eine urbane Form der Landwirtschaft in die städtische Lebensweise zu integrieren.

Generell können durch Anbau und Konsum von Lebensmitteln vor Ort, lange Transportwege vermieden und somit der Ausstoß von CO2 minimiert werden. Auch die Verpackung, egal ob aus Plastik oder aus nicht viel umweltfreundlicherem Papier, kann hier komplett gespart werden, da die Lebensmittel zeitnah konsumiert werden. So entstehen viel weniger Abwässer und Abfälle. Die noch verbleibenden Abfälle sind im Gegensatz zu Verpackungsabfällen aus Kunststoff kompostierbar und können lokal recycelt werden.

 

Urban Gardening in der Umgebung

In Freiburg gibt es bereits einige öffentliche urbane Gärten, und viele Projekte in dieser Richtung. Eine Karte, auf der einige von ihnen aufgelistet sind, findest du in diesem Artikel. Aber auch in Offenburg und Umgebung gibt es seit diesem Jahr zwei Projekte. Anfang Mai hat eine Urban-Gardening-Gruppe in Eigeninitiative, mit Hilfe der Stadt und den Technischen Betrieben in Offenburg einige Hochbeete bei der Minigolfanlage im Bürgerpark angelegt. Kurz danach legte die evangelische Stadtkirche im Juni 2019 eigene Hochbeete entlang der Hauptstraße an, welche vorwiegend mit Gemüse bepflanzt werden sollen. Nach dem Aufbau sollen sich Gruppen oder einzelne Bürger um die Hochbeete kümmern. Wer interessiert ist, kann sich zum Mitgärtnern anmelden.

Interessiert? Auch du kannst mit wenig Aufwand deine Stadt verschönern und Urban Gardening betreiben! Informiere dich bei bereits bestehenden Gruppen und Initiativen, oder ruf mit Freunden ein eigenes Projekt ins Leben. Du glaubst nicht, dass das so einfach geht? Eine Anleitung für ein DIY Paletten-Beet, das du nahezu überall hinstellen kannst, findest du hier.

Urban Gardening vor dem Theater in Freiburg
Urban Gardening vor dem Theater in Freiburg (*5)

 

Geschrieben von Christoph Mang

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Urbaner_Gartenbau
https://www.mein-schoener-garten.de/urban-gardening
https://reset.org/knowledge/urban-gardening-mit-gaerten-die-welt-veraendern
http://www.urban-gardening.eu/autoreninterview/
https://www.stadtanzeiger-ortenau.de/offenburg-stadt/c-lokales/gemuese-und-kraeuter-aus-eigenem-anbau-geniessen_a28977
https://www.bo.de/lokales/offenburg/evangelische-stadtkirche-startet-urban-gardening-projekt

Bildquellen:
(*1) https://www.pexels.com/photo/variety-of-vegetables-1458694/
(*2) https://www.pexels.com/photo/photo-of-man-standing-surrounded-by-green-leaf-plants-1084540/
(*3) Christoph Mang
(*4) https://www.pexels.com/photo/pile-of-assorted-varieties-of-fruits-and-vegetables-2255920/
(*5) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urban_Gardening_vor_dem_Theater_Freiburg.jpg

 

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