Studentenleben

Zwischen Regenwald und Praxis: Mein Auslandspraktikum in Costa Rica

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Zwischen Regenwald und Praxis: Mein Auslandspraktikum in Costa Rica

Wochentags Büro, wochenends Dschungelabenteuer: In sechs Monaten habe ich mehr als wertvolle Praxiserfahrung gesammelt. Erfahre hier, wie du dir deinen Praktikumsplatz im Paradies sicherst, wie das Leben vor Ort ist und warum „Pura Vida“ zu einem meiner wichtigsten Soft Skills wurde.

Mein Weg nach Costa Rica

In meinem Bachelor‑Studiengang war das Praxissemester im Ausland vorgesehen. Für mich stand schon früh fest, dass ich in ein spanischsprachiges Land möchte, um mein Spanisch zu verbessern. In und um Barcelona wurden zwar viele Stellen in unserer Student*innen‑Gruppe gepostet, aber ich wollte weiter weg und eine neue Kultur außerhalb Europas kennenlernen. Auf viele meiner Initiativbewerbungen in südamerikanischen Ländern wie Argentinien erhielt ich allerdings keine Rückmeldung. Praktika, wie wir sie in Deutschland kennen, sind in Zentral‑ und Südamerika nämlich noch recht ungewöhnlich.

Schließlich berichtete jedoch ein Kommilitone in einer Infoveranstaltung meiner Hochschule über sein Praktikum in Costa Rica und gab an, dass seine Stelle gerade freigeworden sei. Über diesen persönlichen Kontakt konnte ich mir die Stelle tatsächlich sichern! „Vitamin B“ ist also ein echter Turbo, wenn es um Auslandspraktika außerhalb Europas geht.


Einblicke in das Land Costa Rica

Bevor du in den Arbeitsalltag eintauchst: Was macht Costa Rica eigentlich so besonders? Hier sind die wichtigsten Fakten für deinen Check-In im Paradies.

Klick dich hier durch die vielfältige Natur:

Rate mal… – Ein paar Funfacts über Costa Rica


Was heißt „Pura Vida“?

Wenn du diesen Begriff kennst, kommst du in Costa Rica überall durch. Wörtlich übersetzt bedeutet „Pura Vida“ das pure Leben. Aber in Costa Rica ist es egal, ob du gerade einfach Hallo sagen oder zeigen möchtest, dass du den Moment genießt. Selbst wenn eine Situation mal nicht so läuft, wie du sie dir vorgestellt hast: „Pura Vida“ ist die Lösung.



Was ist ein Tico“?

Die Costa Ricaner*innen nennen sich selbst „Ticos“. Entstanden ist das aus der Verniedlichungsform „‑tico“ beziehungsweise feminin „-tica“, die die Einheimischen typischerweise verwenden. Diese Verkleinerungsform gibt es in der Art im Spanischen nur in Costa Rica. Man kann sie sich wie ein deutsches „‑chen“ vorstellen. Eine costa-ricanische Frau wäre also eine Tica.


Lerne hier einige Ticos und ihr Geheimnis für ein glückliches Leben kennen:

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Wie ist es, in Costa Rica zu arbeiten?

Lass uns jetzt in die Arbeitswelt und mein Praktikum eintauchen. Dabei habe ich nämlich sechs Monate lang in San José gelebt und im Familienunternehmen Componentes El Orbe gearbeitet. Der IT‑Dienstleister und Technologie‑Berater gab mir die Chance, tief in alle Abläufe einzutauchen. Statt mich an starre Aufgaben zu binden, durfte ich den gesamten Betrieb unter die Lupe nehmen. Meine Rolle war deshalb etwas ganz Besonderes: Ohne feste Termine analysierte ich die Organisation und die Kultur aus meiner externen, europäischen und studentischen Perspektive. Mein Ziel? Frische Ideen einbringen und Prozesse optimieren.

Herzlichkeit statt Hierarchie

Aus Arbeitskolleg*innen entwickelten sich Freundschaften. Wir verbrachten Feierabende, meinen Geburtstag und auch Urlaube zusammen. Besonders der CEO zeigte mir, was die Herzlichkeit der „Ticos“ wirklich bedeutet: Er lud mich zu Familienfesten und -reisen ein und nahm mich sogar mit auf Dienstreisen nach El Salvador und Nicaragua. So erlebte ich die feinen Nuancen der Kulturen und ihres jeweiligen Spanischs hautnah – ein riesiger Kontrast zu meinem Schulspanisch. Neben den neuen und unbekannten Tätigkeiten war das Praktikum vor allem sprachlich echt herausfordernd, aber auch gerade deshalb unglaublich wertvoll.


Wie lief es mit dem Spanisch und der Verständigung?

Spanisch lernte ich schon seit der achten Klasse in der Schule und belegte zusätzlich noch drei Semester lang Spanischkurse im Studium. Trotzdem klang das, was ich in Costa Rica gehört habe, oft ganz anders: stärkere und andere Aussprache, neue Redewendungen und viel mehr „Tico“-Slang.

Aber wie du schon gelernt hast und auch dem Foto auf der rechten Seite entnehmen kannst, kommst du hier in herausfordernden Situationen mit einem gelassenen „Pura Vida“ in jeder Situation weiter.

Im Alltag habe ich sehr schnell gemerkt, dass diese Unterschiede nicht im Weg stehen, sondern einen Vorteil bringen. Durch die Arbeitssprache Spanisch war ich gezwungen, wirklich zuzuhören, nachzufragen und mich anzupassen. Ich kann dir daher nur raten: Wenn du wirklich eine Sprache lernen oder vertiefen möchtest, dann geh möglichst allein ins Ausland. Mit Freund*innen ist es zwar schön, aber meist sprichst du dann doch untereinander wieder Deutsch. Ohne sie musst du dich integrieren, damit du nicht allein bleibst. So kommst so mit den Einheimischen ins Gespräch und lernst die Sprache dabei ganz nebenbei.

Du kannst auch eine Sprachschule besuchen und vor Ort Spanisch lernen oder deine Kenntnisse verbessern. Ich kann dir die Sprachschule Intercultura in Costa Rica empfehlen. Es gibt zwei Standorte: einen in Heredia (nahe San José) und einen in Sámara an der Pazifikküste. Neben Sprachstunden gibt es hier auch ein Sportangebot und kulturelle Ausflüge.
Mein Tipp: Du interessierst dich für Sprachen und möchtest schon vorab einsteigen? Intercultura bietet auch Online-Sprachkurse an. Sieh dir für weitere Sprachen doch auch mal diesen spannenden Blogbeitrag zu Online-Sprachclubs an.


Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Ticos

Als deutsche Praktikantin in Costa Rica bin ich immer wieder bestimmten Vorurteilen begegnet: Meine Kolleg*innen erwarteten von mir etwa eine besondere Pünktlichkeit und Disziplin, nur weil ich aus Deutschland komme. Ich wurde um Punkt 8 Uhr morgens im Büro erwartet, obwohl die Costa Ricaner*innen selbst immer erst später auftauchten. Außerdem hielten viele Einheimische mich für reich, allein schon deshalb, weil ich mir finanziell ein sechsmonatiges Auslandspraktikum leisten konnte. Tatsächlich liegt das deutsche Durchschnittseinkommen über dem der Ticos (siehe Statista 2025). Aber keine Sorge: Für dein Auslandspraktikum gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten, wie etwa Erasmus +, auf die du dich bewerben kannst.

Soweit dazu, wie mich die Einheimischen als Europäerin wahrnahmen. Aber wie wirkte die Arbeitsweise der Ticos auf mich?

Das „Pura Vida“ prägt jede Lebenssituation in Costa Rica – auch die Arbeit. Dementsprechend gingen meine Kolleg*innen entspannt damit um, wenn mal etwas nicht so lief, wie es angedacht war oder sich ein Termin kurzfristig verschob. Anfangs wirkte das auf mich eher unstrukturiert und chaotisch, allerdings ist die Lebenseinstellung eben eine deutlich gelassenere.

Außerdem sind Ticos weniger distanziert zueinander als wir es in Deutschland häufig unter Kolleg*innen sind. Oft quatschten sie direkt am Schreibtisch neben mir. Dabei ging es natürlich auch häufig um Arbeitsthemen – nicht falsch verstehen. Wenn das allerdings lautstark und in einem Großraumbüro an mehreren Orten gleichzeitig passiert, fällt es schwer, konzentriert zu bleiben. Daher wich ich öfter auf Meetingräume aus, um in Ruhe arbeiten zu können.

Kulturelle Unterschiede sind völlig normal und dürfen herausfordernd sein. Das alles sind meine persönliche Eindrücke, die ich so erlebt habe und die nicht pauschalisiert werden sollten. Wichtig ist und bleibt: Ich habe mich jederzeit willkommen und wohl gefühlt!


Wie sehen die kulturellen Unterschiede abseits der Arbeit aus?

Neben dem Arbeitsalltag zeigen sich kulturelle Unterschiede besonders in Musik, Tanz und Kulinarik. In Costa Rica ist Musik allgegenwärtig. Ob im Büro, im Bus oder beim Feierabend: Lateinamerikanische Rhythmen wie Salsa, Reggaeton oder Bachata sorgen ständig für gute Stimmung. Während Tanzen in Deutschland oft auf Partys beschränkt ist, gehört es dort ganz selbstverständlich zum Alltag, und viele Ticos bewegen sich mit beeindruckender Leichtigkeit zur Musik.

Auch kulinarisch unterscheidet sich vieles: Im Vergleich zur deutschen Küche basieren die meisten Mahlzeiten auf Reis und Bohnen („Gallo Pinto“). Häufig wird das Essen auf einem Kochbananen-Blatt serviert. Gemeinsame Mahlzeiten sind ein wichtiger sozialer Moment: Man nimmt sich Zeit, isst zusammen und tauscht sich aus.

Kaffee spielt ebenfalls eine zentrale Rolle im Alltag: Costa Rica ist bekannt für seine hochwertigen Bohnen. Kaffeepausen (sogar noch um 22 Uhr!) sind feste soziale Rituale. Dabei geht es weniger um schnellen Konsum als um bewussten Genuss und Austausch.

Diese Kombination aus Lebensfreude, Musik und Gemeinschaft hat meinen Alltag dort besonders geprägt.


Costa Rica kompakt: Deine Reiseroute für drei Wochen

Gerade für ein Praktikum bietet Costa Rica eine spannende Kombination aus Arbeit, Sprache und Kultur. Aber auch für einen reinen Urlaub lohnt sich der Flug in die Tropen. Ich habe in der Hauptstadt San José gewohnt, bin aber fast jedes Wochenende gereist und so fast im ganzen Land rumgekommen. Hier findest du also meine Tipps für deine perfekte Reiseroute, um die Vielfalt des Landes in drei Wochen zu entdecken!

Klick dich hier durch deine Reisestationen:


Wie komme ich von A nach B?

Von Deutschland nach Costa Rica fliegst du in der Regel zum Flughafen Juan Santamaría in San José. Mit Iberia bin ich mit nur einem Stop in Madrid direkt nach Costa Rica gekommen. Andere Airlines fliegen über die USA. Hierfür benötigst du aber ein zusätzliches kostenpflichtiges Visum für die USA. In Costa Rica war ich selbst nur mit einem Tourist*innen-Visum für 90 Tage. Deshalb bin ich auch mehrfach ausgereist, um neue volle 90 Tage zu bekommen. Es gibt aber auch ein Arbeitsvisum. Damit hatte mein Vorgänger jedoch Probleme und es mir deshalb nicht empfohlen.

Vor Ort hast du drei gute Möglichkeiten, um das Land zu erkunden:

  • Mit dem Bus:
    Es gibt je Region eine eigene Busgesellschaft und keine, die dich durchs ganze Land fährt. Diese Liste der Busgesellschaften hilft dir bei der Orientierung.
  • Mit dem Zug:
    Die offizielle Website von INCOFER ist leider nur auf Spanisch gehalten. Hier findest du aber ebenfalls wichtige Infos zu Reiserouten und Tickets auf Englisch.
  • Mit dem Mietwagen:
    Einen Mietwagen kannst du wie auch für andere Länder bequem vorab, zum Beispiel über SIXT buchen und vor Ort am Flughafen direkt abholen.


Auf dieser Karte findest du weitere Tipps für deine Planung:

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Mehr Informationen

Du kannst die vorgeschlagene Route ganz einfach auf die Länge deines Aufenthalts anpassen. Für tiefere Einblicke in die Regionen, die Natur und Aktivitäten kannst du die Website des Tourismusverbands essential Costa Rica besuchen.

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Wie unterscheidet sich ein Auslandspraktikum vom Auslandssemester?

Im Auslandspraktikum bist du nicht an die Hochschule gebunden, musst in der Zeit keine Prüfungen ablegen und arbeitest direkt im Unternehmen mit. Im Gegensatz zum Auslandssemester hast du keine festen studentischen Gruppen, keine Kurse für internationale Student*innen und keine Uni‑Angebote. Stattdessen arbeitest du mit einheimischen Kolleg*innen zusammen, die dir das Land aus ihrer Perspektive zeigen – gerade in Costa Rica eine echte Bereicherung.

-> Weitere Tipps zum Praxissemester

Du interessierst dich eher für ein Auslandssemester?
-> Hier geht’s zumGuide
-> Tipps zu Kosten und Finanzierung


Welche Anlaufstellen gibt es für Auslandspraktika?

Für Auslandspraktika gibt es eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten. Hierfür lohnt sich, sich frühzeitig bei den zuständigen Stellen, beispielsweise dem Internationalen Büro oder dem Praktikantenamt deiner Hochschule, zu informieren.

Auf der Webseite der HS Offenburg findest du wichtige Infos für deinen Auslandsaufenthalt. Für Praxissemester führt dich der Weg dort zum DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst).

Was viele nicht wissen: Nicht nur für Auslandssemester, sondern auch für Praktika im Ausland kannst du Programme wie Erasmus+ nutzen. KOOR – Erasmus Services BW ist das Erasmus-Konsortium, das Praktika und Studienaufenthalte im Ausland für 40 baden-württembergische Hochschulen koordiniert. Hier geht’s direkt zur Praktikumsförderung E+ Praktikum.


Mein Fazit: Lebe das Pura Vida

In Costa Rica habe ich vieles gelernt. Vor allem eins: Offenheit schlägt Planung. Wer ohne festes Netzwerk ins Ausland geht, wächst über sich hinaus. Gewonnen habe ich weit mehr als ein Arbeitszeugnis: Ich verstehe internationale (Unternehmens-) Kulturen besser, spreche fließend Spanisch und gehe Herausforderung im Studium, aber auch privat, gelassener an.

Dank der herzlichen Ticos ist „Pura Vida“ zu einer echten Lebenseinstellung geworden. Kleine Momente wie diesen Sonnenuntergang schätze ich heute noch mehr wert. Rückblickend war mein Praktikum in Costa Rica eine der bereicherndsten Zeiten meines Studiums, für die ich mich jederzeit wieder entscheiden würde.

Eine Person läuft am Strand durchs Wasser, während im Hintergrund die Sonne untergeht.

Wann hast du dich zuletzt herausgefordert und warum nicht jetzt, mit deinem Praxissemester?

Hast du noch Fragen oder interessierst du dich für ein Auslandspraktikum in Costa Rica?


  • Mein Weg nach Costa Rica: generiert mit Perplexity
  • Schild mit Zahlen, Daten, Fakten: generiert mit Perplexity
  • Kulturelle Unterschiede: generiert mit ChatGPT
  • Reiseroute: erstellt in Canva mit Bildern aus meiner eigenen Galerie
  • YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=i-mn_Wj_VT4
  • Alle verwendeten Fotos stammen aus meiner eigenen Galerie