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Sounds aus einem anderen Universum – Wie werden Dubstep-Bässe produziert?

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Sounds aus einem anderen Universum – Wie werden Dubstep-Bässe produziert?

Ein Halftime-Drumset, etwas Atmosphäre im Hintergrund und der prägnante Bass mitten im Geschehen – die Rede ist von einem Dubstep Drop. Aus welchem Universum kommen aber diese Bass-Sounds eigentlich? Das werde ich in diesem Artikel beantworten.

Dubstep

Dubstep ist eine Musikrichtung, die etwa im Jahr 2001 in South London ihren Ursprung findet. Als eine Mischung aus Reggae, Dub, Garage und Two-Step erlangte sie eine große Anhängerschaft. Mit der Zeit entfernte sich das Genre immer weiter weg von seinen Wurzeln und fand seinen Höhepunkt mit dem Aufkommen des Künstlers Skrillex, der in den Jahren 2012 und 2013 jeweils drei Grammy Awards für seine Produktionen gewann. 

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2000er Dubstep2010er Dubstep

20 Jahre nach dem Entstehen ist es still um die Dubstepszene geworden, welche dem selben Schicksal wie Metal zum Opfer gefallen ist. Fast komplett von seinen ursprünglichen Wurzeln gelöst, ist Dubstep in viele verschiedene Untergenre zerfallen, wie zum Beispiel Riddim, Brostep, Chillstep oder Deathstep

Eins haben aber alle Genre gemeinsam: einen sogenannten Drop, der aus komplexen Bässen besteht.

Werkzeuge

Um einen Dubstep-Bass zu produzieren, wird ein Synthesizer benötigt. Ein Synthesizer ist ein elektronisches Instrument, welches durch Klangsynthese Töne erzeugen kann. Erstmalig wurde ein analoger Synthesizer im Jahre 1964 von Robert Moog präsentiert. Sehr groß und schwer zu bedienen, fand dieses neue Gerät seinen Weg in die Musikwelt. 57 Jahre später ist dieser für moderne Musik allerdings nicht mehr wegzudenken. Spätestens nach dem Wandel von analoger Hardware zu einer digitalen Software, war es der Öffentlichkeit möglich, für einen geringen Preis und mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche ihre eigenen Klänge zu synthetisieren. 

„Moog Subharmonicon“ ein moderner Analoge Synthesizer

Der erste große Dubstep Synthesizer war Massive von Native Instruments. Dieser stach nicht nur wegen seiner Modulationsmöglichkeiten heraus, sondern vor allem durch seinen Wavetable und den integrierten Filtern. Im Jahre 2014 stieß Steve Duda mit seinem Synthesizer Serum Massive vom Thron, welcher diesen Platz bis heute nicht mehr frei gegeben hat. Serum brachte als Wavetable-Synthesizer die Möglichkeit, eigene Wavetable zu zeichnen oder zu importieren, wodurch der Vielfalt der Sounds keine Grenzen mehr gesetzt waren. Auch mit kreativen Filtern, leicht zu verwendenden FX und einem cleanen Layout konnte Serum die Sounddesigner begeistern. Dadurch wurden die Dubstep-Bässe nochmals auf ein neues Niveau gehoben.

Zusatz: Neben Serum gibt es natürlich auch weiter Synthesizer, die zur Produktion von Dubstep-Bässen verwendet werden können. Hier ein paar Beispiele: 

Phase Plant von Kilohearts
Vital von Vital-Audio
Pigments von Arturia
Massive X von Native Instruments

Einen Dubstep-Bass erstellen

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Varianten von Dubstep-Bässen, der prägnanteste hier ist allerdings der Growl. Diesen werde ich im Folgenden näher erläutern, indem ich darlege, wie ich einen solchen erstelle. 

Ein Growl besitzt eine raue und vokale Charakteristik. Da es schwer ist, sich darunter etwas vorzustellen, folgt hier ein Hörbeispiel des Sounds, welchen ich erstellt habe.

Fertiger Growl

Schritt 1: (Wavetable-)Oszillator

Durch Schwingung erzeugt ein Oszillator einen hörbaren Ton und legt damit die Grundlage der meisten im Synthesizer erzeugten Klänge. Die Kurvenform der Schwingung (auch Wellenform genannt) bestimmt den grundlegenden Charakter des Klangs. Die einfachste Wellenform beschreibt eine Sinuskurve, welche auf exakt einer einzelnen Frequenz schwingt. Komplexe Wellenformen setzen sich aus mehreren Kurven und mitunter harten Kanten zusammen. Diese erzeugen neben dem eigentlichen Grundton weitere harmonische Obertöne und füllen im Gegensatz zur Sinus-Wellenform ein größeres Frequenzspektrum aus, womit sie eher dem Klang klassischer Instrumente ähneln. Diese harmoniereichen Klänge sind oft das bevorzugte Ausgangsmaterial für Growls, welche im weiteren Verlauf der Signalkette weiter geformt werden. Moderne, digitale Oszillatoren vereinen mehrere Wellenformen in einem Wavetable, welche stufenlos überblendet werden können. So kann der Grundklang durch Überblendung über Zeit variiert werden und ist nicht nur auf eine statische Wellenform begrenzt. Die Variation des Klangs über Zeit ist ein zentrales Merkmal von Growls und kann durch Wavetable-Synthese bereits im ersten Schritt erreicht werden.

Sinus-Wellenform bei 44Hz
Komplexe-Wellenform bei 44Hz

Schritt 2: Filter

Der harmoniereiche Klang des Oszillators wird durch einen Filter wieder verringert, das heißt, einzelne Frequenzen werden abgesenkt, um den resultierenden Klang weiter zu formen. Bei einem Low-Pass-Filter werden beispielsweise alle Frequenzen oberhalb eines festgelegten Schwellenwerts abgesenkt. Durch Änderung dieses Schwellenwerts über Zeit wird der Klang dynamisch geformt, statt statisch zu verweilen. Wie bei den Wellenformen gibt es auch bei Filtern komplexere Vertreter. So genannte Formant-Filter senken zum einen wie herkömmliche Filter Frequenzen ab, heben jedoch auch gleichzeitig andere Frequenzen wieder an. Durch das Anheben bestimmter Frequenzen wird der Klang des menschlichen Vokaltrakts emuliert und lässt so den Klang beispielsweise nach einem gesprochenen „A“ klingen. Durch Bewegung dieser Frequenzen über Zeit wird der Eindruck eines gesprochenen Wortes vermittelt.

Sound nach dem Filter

Schritt 3: Distortion

Durch das Filtern des Klangs geht ein Teil des Frequenzumfangs verloren, welcher durch gezielte Verzerrung (Distortion) wieder hergestellt wird. Verzerrung fügt dem Originalsignal weitere harmonische Obertöne hinzu, welche so nicht ursprünglich Teil dessen sind. So wird der Klang wieder voller und reicher an Frequenzen.

Sound nach der Distortion

Schritt 4: Verfeinern nach Geschmack

Ist das Fundament erstmal errichtet obliegt es der Kreativität, dem Sound einen eigenen Geschmack beizulegen. Durch diverse FX und Filter kann dann der Sound weiter geformt werden. Für mein Beispiel habe ich noch zwei weitere Filter, die die Vokale A und U bilden, hinzugefügt, und dazu noch einen Chorus und einen Phaser.

Auch dem Herumexperimentieren mit den einzelnen Parametern im Synthesizer und dem Automatisieren (das Festlegen einer Bewegung eines Parameters über die Zeit) sind keine Grenzen gesetzt. In dem Beispiel habe ich den Pitch (Tonhöhe) automatisiert, was dazu führt, dass der Sound noch vokaler klingt. 

Sound nach FX

Schritt 5: Lautstärke

Für das Dubstep Genre typisch ist, dass die Sounds auf die maximale Lautstärke gebracht werden. Hierfür wird ein Kompressor verwendet, welcher die leisen Stellen laut macht, und die lauten wieder leiser. Dadurch kann im Anschluss der Sound insgesamt in der Lautstärke angehoben werden.

Sound in voller Lautstärke

Fazit

Aus welchem Universum stammen diese Dubstep-Bässe jetzt nun? Direkt aus unserem! 

Die physikalischen Eigenschaften unseres Universums schaffen die Möglichkeit, solche Sounds zu kreieren. Natürlich ist der Akt des Produzierens eines Dubstep-Sounds, oder gar dessen komplette Komposition, keine wissenschaftliche Arbeit. Es geht viel mehr darum, kreativ mit seinem Werkzeug umzugehen und die alten Sounds durch neue zu ersetzen. Durch den Wechsel von analog zu digital können solche doch abschreckende Theorien umgangen werden, um brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Auch Plattformen wie Youtube geben die Möglichkeit, abseits der Theorie, praktische Anleitungen für die jeweiligen Synthesizer zu erhalten. Über die Jahre hinweg hat sich um das Sounddesign ein eigenes kleines Universum gebildet, das immer einen Besuch wert ist.

Textquellen

Dubstep Geschichte: Wikipedia

Skrillex: Wikipedia

Synthesizer: Wikipedia

Bilderquellen

Titelbild: Philipp Rother

Restliche Bilder sind selbstgemachte Screenshots oder selbstgemachte Bilder.

Audioquellen

Alle Audiosamples sind aus eigener Produktion.