Studentenleben

Mehr als eine Oldtimer-Rallye: Warum sich Durchhalten am Ende auszahlt

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Mehr als eine Oldtimer-Rallye: Warum sich Durchhalten am Ende auszahlt

Wenn man an eine Oldtimer-Rallye denkt, stehen meist zuerst die Fahrzeuge, die Strecke und die besondere Atmosphäre im Mittelpunkt. Doch während der Bosch Boxberg Klassik wurde für mich mehr daraus: ein Projekt voller Planung, Verantwortung und ein Moment, der mir gezeigt hat, warum sich Durchhalten manchmal erst am Ende wirklich begreifen lässt.

Bosch Boxberg Klassik

Die Bosch Boxberg Klassik ist eine Oldtimer-Rallye welche immer am letzten Juni Wochenende stattfindet. Hier stehen historische Fahrzeuge, abwechslungsreiche Strecken und die Begeisterung für Automobile Geschichte im Mittelpunkt. Dabei geht es darum, die Strecke mit Präzision, Aufmerksamkeit und Gefühl zu meistern. Für Zuschauerinnen und Zuschauer stehen oft die Fahrzeuge, der Klang der Motoren und die besondere Atmosphäre im Vordergrund. Für mich zeigt sich während meines Praxissemesters aber noch eine andere Seite.

Wie funktioniert eine Oldtimer-Rallye?

Bei einer Oldtimer-Rallye geht es nicht um Höchstgeschwindigkeit. Viel wichtiger sind Präzision, Orientierung und ein gutes Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer. Gefahren wird ohne technische Hilfsmittel wie Navigationsgerät oder digitaler Karte. Stattdessen erhält jedes Team ein Roadbook, in dem die Strecke mit sogenannten „Chinesenzeichen“ dargestellt ist. Der Beifahrer liest diese Hinweise und navigiert den Fahrer Schritt für Schritt durch die Strecke. Unterwegs warten verschiedene Wertungsprüfungen, bei denen Geschicklichkeit, zeitliche Genauigkeit und Präzision gefragt sind. Dabei hilft es, das eigene Fahrzeug gut zu kennen und einschätzen zu können, wie es in unterschiedlichen Situationen reagiert. Für Abweichungen oder Fehler in den Wertungsprüfungen gibt es Strafpunkte. Am Ende gewinnt das Team, das über die gesamte Rallye hinweg die wenigsten Strafpunkte gesammelt hat.

Mein Blick hinter die Kulissen

Während meines Praxissemesters im Bachelor, habe ich die Möglichkeit bekommen selbst Teil des Organisationsteams zu sein. Dabei wurde mir bewusst: Eine Oldtimer-Rallye besteht nicht nur aus schönen Autos und einer tollen Strecke. Damit die Teilnehmenden zwei gelungene Tage erleben, geschieht im Hintergrund schon lange vorher sehr viel. 

Damit das Veranstaltungswochenende ein gelungenes Event ergibt, müssen vorher viele kleine und große Aufgaben erledigt werden. Von der Planung, über Abstimmungen im Team bis hin zu organisatorischen Details vor Ort. Hinter solch einer Veranstaltung steckt deutlich mehr Arbeit als man auf den ersten Blick vermutet. Genau das fand ich besonders spannend. Ich durfte sehen und miterleben, wie aus vielen einzelnen Aufgaben, Schritt für Schritt ein großes Ganzes entsteht.

Ich durfte an ganz unterschiedlichen Aufgaben mitarbeiten, wie beispielsweise das Programmheft mitgestalten, das Roadbook kontrollieren und Grafiken erstellen. Zudem unterstützte ich bei der Kommunikation mit den Teilnehmenden, bereitete E-Mails vor und half gegen Ende dann auch dabei Teilnehmertaschen und Materialien für das Veranstaltungswochenende zu packen. Gemeinsam mit meinen Arbeitskollegen war ich zudem an verschiedenen Locations unterwegs, um diese vorab anzuschauen, Abläufe zu planen und organisatorische Details vorzubereiten. Ebenso haben wir im Vorfeld die Strecke abgefahren, um das Roadbook auf Plausibilität zu prüfen.

Wenn aus Planung Wirklichkeit wird

Die Planung einer solchen Veranstaltung ist nicht immer einfach. Es gibt stressige Phasen, unerwartete Herausforderungen und Momente, in denen nicht alles so läuft wie man es sich vorgestellt hat. Man arbeitet an Aufgaben, ohne immer direkt zu sehen, wo diese hinführen. 

Auch während der Vorbereitung tauchten immer wieder Dinge auf, auf die man reagieren musste. So gab es zum Beispiel unerwartete Baustellen auf der Strecke, die nicht rechtzeitig verschwunden waren. An diesen Stellen musste erneut umgeplant und die Route angepasst werden. Auch bei manchen Plätzen für die Wertungsprüfungen brauchte es Geduld, weil die Genehmigungen der Gemeinden länger dauerten als erwartet. Genau solche Situationen haben mir gezeigt, dass Planung nicht bedeutet, dass alles von Anfang an perfekt feststeht. Planung bedeutet auch, flexibel zu bleiben und Lösungen zu finden, wenn sich etwas verändert.

Doch genau das macht den Moment, in dem die Veranstaltung beginnt, besonders. Wenn die Teilnehmenden vor Ort sind, die ersten Fahrzeuge durch das Starttor rollen und die Rallye zum Leben erwacht, wird sichtbar, wofür sich diese monatelange Arbeit gelohnt hat. Aus vielen einzelnen Planungsschritten wird plötzlich ein echtes Erlebnis.

Ein Moment der bleibt

Besonders ein Moment ist mir am letzten Rallyetag bis heute im Kopf geblieben. Mein Chef kam am Sonntag, dem letzten Veranstaltungstag auf mich zu. Für einen kurzen Moment standen wir einfach da und haben uns die Szenerie angeschaut. Die Oldtimer, die Teilnehmenden, das Team und all das was in den letzten Wochen und Monaten zuvor geplant und vorbereitet wurde vereint an einer Stelle.

Dann kam die Frage auf:

Und ehrlich gesagt, bis zu diesem Moment, hab ich mir darüber kaum Gedanken gemacht. Ich hatte Aufgaben erledigt, mitorganisiert und versucht Probleme zu lösen. Aber erst nach dieser Frage wurde mir wirklich bewusst, dass all diese einzelnen Aufgaben etwas bewirkt hatten. Diese Erkenntnis hat mir gezeigt, dass wir den Wert unserer Arbeit manchmal erst erkennen, wenn wir kurz innehalten und das Ergebnis im Ganzen betrachten.


Was hat das Ganze jetzt mit deinem Studium zu tun?

Vielleicht geht es dir im Studium manchmal ähnlich. Du arbeitest dich von Aufgabe zu Aufgabe, von Abgabe zu Abgabe oder Prüfung zu Prüfung. In stressigen Phasen siehst du oft nur noch den nächsten Termin und konzentrierst dich darauf, irgendwie weiter zu kommen. 

Durch mein Praxissemester habe ich gemerkt, dass Verantwortung nicht immer bedeutet, von Anfang an alles perfekt zu können. Oft beginnt Verantwortung mit kleinen Aufgaben wie Mails vorbereiten, Informationen kontrollieren, mitdenken, nachfragen oder eine Aufgabe zuverlässig zu Ende bringen. Im ersten Moment wirkt das vielleicht nicht groß. Doch genau dadurch wächst man Schritt für Schritt in ein Projekt hinein.

Diese Erfahrung hat auch meinen Blick auf das Studium verändert. Ich nehme Aufgaben heute weniger als einzelne To-Dos war, die einfach nur erledigt werden müssen. Stattdessen sehe ich stärker, dass jede Abgabe, jedes Projekt und jede schwierige Phase etwas mehr mit mir macht. Man lernt nicht nur fachlich dazu, sondern entwickelt auch mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es geht nicht nur darum, Prüfungen zu bestehen, sondern an Herausforderungen zu wachsen.

Manchmal lohnt es sich kurz stehen zu bleiben!

Oldtimer bringen noch einen weiteren Gedanken mit sich. Sie erinnern daran, dass nicht immer nur die Geschwindigkeit zählt. Bei einer Oldtimer-Rallye geht es nicht darum möglichst schnell ans Ziel zu kommen, sondern die Strecke bewusst zu erleben, aufmerksam zu bleiben und den Moment wahrzunehmen.

Genau darin liegt auch ein wichtiger Teil des Studiums! Natürlich möchtest du Prüfungen bestehen, Projekte abschließen und irgendwann deinen Abschluss in der Hand halten. Aber wenn du nur von einem Ziel zum nächsten hetzt, übersiehst du schnell was unterwegs passiert. Neue Erfahrungen, Menschen die dich begleiten, Fähigkeiten die du entwickelst und Momente, die dich prägen.

Es hat mir gezeigt, dass durchhalten wichtig ist, aber nicht alles im Leben nur aus Ankommen und Schnelligkeit besteht. Es lohnt sich zwischendurch kurz innezuhalten. Nicht um stehenzubleiben, sondern um dir bewusst zu machen, wie weit du schon gekommen bist und was du bisher alles erreicht hast. Sei stolz darauf! 

Wie bereits gesagt: manchmal hilft der Blick zurück, um zu erkennen was aus vielen einzelnen Schritten geworden ist. Der Rückblick zur Oldtimer-Rallye zeigt genau das: die Fahrzeuge, die Strecke, die Menschen und die Atmosphäre, die am Ende all die Vorbereitung sichtbar gemacht haben.

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Bildquellen
  • Titelbild: eigene Aufnahmen, bearbeitet mit Canva
  • Abbildung 1: erstellt mit Canva und Affinity Designer
  • Abbildung 2: Eigene Aufnahme
  • Abbildung 3: erstellt und bearbeitet mit Canva
  • Abbildung 4: Bosch Fotogruppe
Videoquellen