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Gefangen in der Filterblase – wie du diese erkennen und zum Platzen bringen kannst

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Gefangen in der Filterblase – wie du diese erkennen und zum Platzen bringen kannst

Als aktive User*innen von Social-Media-Plattformen erwarten wir spannende und aufregende Inhalte. Im Idealfall wird erkannt, wo unsere Interessen liegen und es werden uns nur dazu passende Inhalte empfohlen. Sehr schnell können wir dabei jedoch in sogenannten Filterblasen landen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Phänomen und wie können wir diesem entfliehen? 

Was sind Filterblasen?

Kurz vor dem ins Bett gehen klickst du dich in YouTube rein, du willst ein paar Videos anschauen um dich vom stressigen (Studien-) Alltag zu erholen. Dir werden verschiedene Videos auf der Startseite angezeigt – spielende Katzenbabys, Kochrezepte, Musikvideos. Heute entscheidest du dich aber dazu, dich tiefergehend zum Ukraine Krieg zu informieren. Doch aus einem interessanten Video werden zwei Stunden YouTube Konsum. Besonders gut gefällt dir, dass ganz andere Sichtweisen als in den klassischen Medien beleuchtet werden. Mit dem Gefühl, gut informiert zu sein, schließt du YouTube letztendlich. Am nächsten Abend stellst du fest, dass auf deiner YouTube Startseite bereits noch tiefergehende Videos zum Ukraine Krieg als gestern gelistet sind – wie praktisch! Regelmäßig verlierst du dich in diesen, dir vorgeschlagenen Inhalten. Du verlierst andere Sichtweisen und Informationsquellen komplett aus den Augen. 

Dir kommt das oben beschriebene Szenario bekannt vor? Dann bist du vermutlich schon einmal in einer Filterblase gelandet.

Hinter jeder Filterblase stecken verschiedene Algorithmen. Diese werden von Social-Media-Plattformen eingesetzt, um zu analysieren, welche Inhalte relevant oder nicht relevant für uns sind. Sie können aber auch identifizieren, welche Werte oder politischen Einstellungen wir vertreten. Auf diesen Erkenntnissen basierend soll unser Feed personalisiert werden. Im Idealfall bekommen wir dann ausschließlich auf unseren Interessen basierende Inhalte ausgespielt. Ziel aus Plattform-Sicht ist eine lange Verweildauer der User.

Auswahlkriterien hinter den Algorithmen können zum Beispiel Inhalte sein, mit denen der Nutzer selbst interagiert hat, aber auch von Freunden gelikte Beiträge. Algorithmen arbeiten plattformabhängig und oftmals ist kaum mehr als eine oberflächliche Funktionsweise bekannt.

Hinter den Filterblasen stecken verschiedene Algorithmen

Jedoch begegnen Algorithmen uns nicht nur auf den klassischen Social-Media-Plattformen. Sie werden eingesetzt, um die Suchergebnisliste auf Google zu definieren, uns in Onlineshops Produktempfehlungen zu geben oder sogar für die Bestimmung des nächsten Dating-Vorschlags auf Dating-Apps.

So funktioniert der Algorithmus von TikTok

Die komplette Funktionsweise hinter dem TikTok Algorithmus ist nicht bekannt. Mittlerweile geben zwar einige Plattformbetreiber Einblicke in den Aufbau der eingesetzten Algorithmen, vieles bleibt jedoch geheim. In Bezug auf TikTok sind aber einige Faktoren bekannt, die den Algorithmus beeinflussen. Dazu gehören:

Interaktionsfaktoren wie:

  • Gefolgten Accounts
  • Kommentierte Videos
  • Favorisierte Videos
  • Zu Ende geschaute Videos

Videoinformationen (von bereits geschauten Videos) wie:

  • Verwendete Hashtags
  • Untertitel
  • Eingesetzte Sounds
  • Aufgegriffene Trendthemen

Geräte- und Account-Einstellungen wie:

  • Im Profil hinterlegte Interessenskategorien
  • Ausgewählte Sprache
  • Art des Endgeräts

Welche Risiken bergen Filterblasen?

Sind wir nun, so wie im oben beschriebenen Beispiel, in einer Filterblase gelandet, werden uns hauptsächlich für uns als spannend definierte Inhalte ausgespielt. Konsumieren wir dann mehr solcher Inhalte, steigt auch die Anzahl dieser in unserem Feed. Bedeutet das nun, dass unsere Feeds so perfekt auf uns abgestimmt sind, dass wir keinerlei für uns interessante Inhalte verpassen und nach wie vor ein breites Spektrum an unterschiedlichen Formaten sehen können? Nein, denn:

Ein großes Risiko besteht, wenn nur noch einseitige Inhalte im Feed angezeigt werden. Vor allem wenn es beispielsweise um kontroverse Themen oder politische Ansichten geht. Professor Michael Scharkow von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beschreibt das Risiko von Filterblasen wie folgt:

Im schlimmsten Fall höre ich gar nichts anderes mehr und bekomme nichts mehr mit, was nicht meinen Meinungen oder Wünschen oder Vorstellungen über die Welt entspricht.

Univ.-Prof. Michael Scharkow, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Experten-Aussage gibt also einen groben Einblick in eine der größten Gefahren der Filterblasen. Aber welche weiteren Konsequenzen begegnen uns als Nutzer*innen, sollten wir in einer Filterblase gelandet sein? Beispiele dafür kannst du im Folgenden nachlesen:

Verlust der Informationsvielfalt

Das Internet und die zugänglichen Plattformen bieten uns eigentlich eine große Auswahl und Anzahl an unterschiedlichsten Informationen. Gerade diese Vielfalt spielt bei unserer individuellen Meinungsbildung eine entscheidende Rolle. Das Gelangen in eine Filterblase kann unsere Meinungsbildung langfristig stark beeinflussen, da wir nur noch einseitige Berichterstattungen konsumieren. Insbesondere beim Informieren über das aktuelle Weltgeschehen sollten verschiedene Informationsquellen herangezogen werden.

Mentale Folgen

Je nach Filterblase werden wir dauerhaft mit tragischen oder traurigen Nachrichten konfrontiert. Ein aktuelles Beispiel sind Videos zur Selbstdiagnose psychischer Krankheiten auf TikTok und Instagram. Das dauerhafte Konsumieren solcher Inhalte kann langfristig schwerwiegende Folgen für unsere mentale Gesundheit mit sich bringen und uns in eine Negativ-Spirale ziehen. Ein bekanntes Phänomen hierbei ist das sogenannte „Doomscrolling“, bei dem scheinbar endlos schlechte Nachrichten konsumiert werden.

Verzerrtes Weltbild

Gelangen User*innen in einer aus Falschmeldungen bestehenden Filterblase, kann dies schlimmstenfalls in einem verzerrten Weltbild resultieren. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die Verschwörungstheorie der flachen Erde, von der viele Menschen bis heute überzeugt sind, obwohl es eindeutige Beweise gegen diese Weltanschauung gibt. Neben solchen Verschwörungstheorien spielen auch Fake News eine große Rolle, sobald es um Desinformation im Web geht. Weitere Informationen dazu findest du im Beitrag von Til Finkbeiner über Fake News in den sozialen Medien.

Übrigens: Viele der namenhaften Social-Media-Plattformen fördern (indirekt) das Entstehen von Filterblasen. So ist eines der Ziele der Videoplattform YouTube eine möglichst hohe Verweildauer auf der Plattform. Dementsprechend werden uns oftmals Videos empfohlen, die inhaltlich noch extremer sind als jene, die bereits von uns geschaut worden sind.

Gefahr: Filterblasen und Verschwörungen

Wie bereits erläutert, kann das dauerhafte Konsumieren einer einseitigen Sichtweise zum Realitätsverlust führen. Insbesondere in Bezug auf Verschwörungstheorien und Fake News kann das weitreichende Folgen mit sich bringen, die nicht nur einzelne User*innen betreffen. So wurden in vergangenen Wahlkämpfen gezielt Fake News über die sozialen Medien verbreitet. Ziel war es, das Wahlergebnis zu manipulieren. Landen User*innen in einer solchen Filterblase, kann das schwerwiegende Folgen für die Politik und die Gesellschaft mit sich bringen. Tiefergehende Informationen dazu können im Beitrag von Samuel Kärcher über Wahlmanipulation durch Social Media nachgelesen werden. 

Aus Fake News bestehende Filterblasen sind besonders problematisch
Video-Tipp: So macht dich deine Filterblase anfällig für Verschwörungen

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So kannst du das Entstehen von Filterblasen vermeiden

Mittlerweile hast du einiges über die Schattenseiten und Risiken der Filterblasen erfahren. Doch was kannst Du nun konkret berücksichtigen, um die Entstehung dieser in deinem Social Media Feed zu unterbinden?

Den Inkognito Modus deines Browsers verwenden

Surfst du mit aktiviertem Inkognito Modus durchs Web, werden deine Aktivitäten während dieser Session nicht gespeichert. So kann kein Profil von dir erstellt werden, das auf deinem individuellen Suchverlauf basiert. Du kannst somit das Entstehen einer Filterblase aufgrund in der Vergangenheit konsumierter Inhalte vermeiden.

Plugins zur Abwehr

Wenn du nicht im Inkognito Modus surfen willst, dich aber dennoch vor dem Entstehen von Filterblasen schützen möchtest, kannst du verschiedene Browser PlugIns wie zum Beispiel „Ghostery“ nutzen. Mit dem Aktivieren dieses PlugIns wird deine Identität anonymisiert und keine deiner persönlichen Daten getrackt. Zudem kannst du Werbeanzeigen blockieren und Cookie-Popups automatisch ablehnen. Solche PlugIns lassen sich kostenlos in deinem Browser installieren.

Verschiedene Informationsquellen heranziehen

Was sich gegen das Hereinfallen auf Fake News bewährt hat, greift auch beim Umgehen von Filterblasen: das Heranziehen verschiedenster Informationsquellen zum Erschaffen eines fundierten Meinungsbildes. Vertraue nicht nur den Aussagen einer einzelnen Person auf TikTok, sondern informiere dich über unterschiedliche Quellen zu einem Thema. Ziehe auch klassische Medien wie Zeitungen oder Nachrichtensender heran, um mehr Informationen zu einem Thema zu erhalten.

Fazit

Algorithmen sammeln mehr Informationen über uns und unser Nutzerverhalten, als uns vielleicht bewusst ist. Die darauf basierenden Empfehlungen können einen Mehrwert für uns bieten und dazu beitragen, dass wir unseren Horizont erweitern. Eine dabei bestehende Gefahr ist allerdings das Entstehen von Filterblasen. Das Landen in solchen Blasen kann zu einer eingeschränkten und unvollständigen Sichtweise der Nutzer*innen führen. Im schlimmsten Fall kann dies neben psychischen Folgen für einzelne Nutzer*innen auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Politik und die Gesellschaft mit sich bringen.

Doch nun kennst du neben der Funktionsweise der Algorithmen hinter den Filterblasen auch hilfreiche Tipps, um dem Entstehen dieser entgegenzuwirken. Nutze neben PlugIns und dem Inkognito Modus auch die Vielfalt an Informationen und Informationsquellen, die uns heute zur Verfügung stehen.

Mehr Informationen gefällig? Folgende Videos geben Dir spannende Einblicke rund um Filterblasen

Ted-Talk zu Filterblasen von Eli Pariser, dem Entwickler des Begriffs „Filterblasen“:

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Selbstversuch des YouTube Kanals „reporter“ zu Filterblasen:

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