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Silver Surfer – Oma und Opa im Internet unterschätzt?

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Silver Surfer – Oma und Opa im Internet unterschätzt?

Fast jeder kennt es. Oma und Opa, die mit ihrem neu erworbenen Smartphone zu einem kommen und nicht wissen, worauf sie jetzt wieder geklickt haben. Auch am Computer sitzend kommt oft die Frage auf: „kauf ich da jetzt auch wirklich nichts?“ In den digital fortschreitenden Zeiten kommen auch die Ältesten der Gesellschaft meist nicht um die Nutzung des Web herum. Aber sind sie wirklich so unbeholfen wie wir denken?

Gerade hat Oma das alte Smartphone des Enkels bekommen. Als Mitglied der Generation Y hatte er das aktuellste Smartphone mit extra viel Technik. Natürlich ist es da selbstverständlich, beim Einrichten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Hilflosigkeit beginnt schon bei der Wahl des Google Kontos zum Synchronisieren des Playstore. Eifrig werden Notizen auf dem alten Werbegeschenkeblock der Apothekenumschau gemacht, damit die Emailadresse und das Passwort nicht vergessen werden können. Die Erkundung der Apps erfolgt nach dem Minimalprinzip. Schließlich will Oma ja nur telefonieren und die Nachrichten lesen…

Wer gehört zur Generation der Silver Surfer?

Sind nun aber wirklich die ergrauten Omas und Opas die einzigen, die sich angeblich schwer mit dem Internet und den modernen Medien tun? Dem demographischen Wandel in Deutschland ist es geschuldet, dass die Anzahl der über 50-Jährigen stark steigt. Somit fallen auch schon viele Eltern unter die Silver Surfer. Mit diesem Begriff tut man den graumelierten Vätern und Müttern aber unrecht. Daher ist auch der Fachbegriff „Best Ager“ oder „Boomer“ eine gängige Bezeichnung dieser Internetuser.

Das Internet ist für uns alle Neuland

Angela Merkel, 2013

Die ständige Entwicklung neuer Techniken und die Hashtag-Reizüberflutung der Selbstdarstellung in Social Media erfordert verantwortungsvollen und kompetenten Umgang. Aber insbesondere ältere Menschen sind nicht mit dem Medium Internet aufgewachsen und müssen die Schlüsselqualifikationen im fortgeschrittenen Alter erst noch erlernen.

Ängste beim Surfen

Bild 2 | Senior mit Sehschwäche

Durch die Gewissheit, mit den Wörtern Cookies, Browser oder Tabs nichts anfangen zu können, sind viele Silver Surfer bei der Nutzung des Internets gehemmt. Früher kaufte man noch bei Tante Emma ums Eck ein und bekam noch ein Bonbon oben drauf. Heute soll das dieser Amazon machen, ganz ohne menschlichen Kontakt und Unterhaltung. Da ist es verständlich, dem Internet skeptisch gegenüberzustehen.

Auch zu dem nicht vorhandenen Verständnis der Funktionalität des Internet kommen weitere Hindernisse für die ältere Generation hinzu. Die meist zu kleine Schrift im Web ist schwer lesbar für ältere Menschen mit Sehschwäche. Auch eine zitternde Hand durch Parkinsonerkrankung kann das Klicken auf eng liegende Schaltflächen erschweren und führt zu ungewollten Sprüngen innerhalb der Seiten.

Video: Senioren über das Surfen im Internet
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Trotz der Hindernisse wollen Oma und Opa keinesfalls abgehängt werden. Durch das Weiterleiten kleiner sprechender Hasenvideos oder bunter Grafiken mit Sprüchen möchten sie stets in Kontakt mit ihren Liebsten stehen. In Zeiten zunehmender Isolation nimmt die Nutzung von Skype zu, um nicht zu vereinsamen.

Souveränität schaffen

Es sind nicht alle Vertreter der Generation Silver Surfer ängstlich oder unwissend, was neue Medien angeht. Einige haben sogar bereits Social Media Kanäle erobert. Dennoch ist es unsere Aufgabe, für einen souveränen Umgang mit Medien unserer Liebsten zu sorgen.

Natürlich möchte man seinen Großeltern oder Eltern gerne helfen, aber man hat nicht immer ausreichend Zeit. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Hilfestellung zu leisten. Das bedarf auch meist nur wenig Aufwand.

Anleitungen entwerfen
Bild 3 | Anleitung

Oft hilft es schon aufzuschreiben, was Oma und Opa im Netz zu tun haben. Seien es die Logindaten für das E-Mail-Programm oder wie man sich ein Kartoffelsalatrezept ausdruckt.

Nehmt euch etwas Zeit und fragt, was die Großeltern im Internet alles machen möchten. Durch die Tipps der erfahrenen Enkel fühlen sich die meisten auf der sicheren Seite.

Virenschutz und Adblocker

Neben einem zu empfehlenden Virenschutz ist die Installation eines Ad Blockers sinnvoll. Dadurch werden die Unsicherheiten beim Surfen nicht noch durch das Aufpoppen von Werbeanzeigen geschürt.

Auch die Frage „kaufe ich da wirklich nichts?“, wird damit weniger häufig aufkommen. Adblocker gibt es bereits viele, die kostenlos und einfach zu installieren sind.

Bild 4 | Adblocker
Internetkurse für Senioren
Bild 5 | Online Kurse

Zusätzlich zu den örtlichen Angeboten der VHS, gibt es auch Kurse für die man sich online registrieren kann.

Das Angebot reicht von dem Erklären der Grundkenntnisse bis hin zu fortgeschrittenem Bedienen moderner Medien.

spezielle Geräte kaufen

Hier werden vor allem Smartphones angeboten. Diese sind auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt. Durch einen großen Bildschirm und gut lesbare Tasten ist die Sehschwäche kein Hindernis mehr.

Der Zugriff auf WhatsApp, YouTube und Facebook liefert den Anschein eines Standardtelefons, wie die Enkel es auch besitzen. Die Notfallfunktion und die Hörgeräte-Kompatibilität sind eine weitere wichtige Ausstattung.

Bild 6 | Smartphone mit Notfallknopf

Geduld!

Die immer wiederkehrenden Probleme und Schwierigkeiten vieler Großeltern im Netz lassen sich nicht einfach aus der Welt schaffen. Ein paar Minuten in der Woche mehr mit Oma verbringen schadet nicht und bringt vielleicht ein leckeres Stück Käsekuchen. Aber Vorsicht! Traut ihnen auch einen selbstständigen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu. Vielleicht überraschen sie euch ja auch. Denn es ist bewiesen, dass viele Angehörigen der Generation Silver Surfer sehr fit im Umgang mit dem Internet sind.

Bild 7 | Oma ist online

Jeder wird einen netten Spruch von Oma oder Opa kennen. Ruft sie doch einfach mal wieder an und fragt nach, was das neue Smartphone so macht!