Mit dem Studiengang „Dialogmarketing und E-Commerce“ stehen euch viele Türen offen – doch welche Tür wählen? Dieser Blogbeitrag ist für all jene, die noch nicht genau wissen, wo es sie beruflich einmal hinziehen könnte. Ich möchte euch einen Einblick in die Arbeit im Marketing eines B2B-Unternehmens im deutschen Mittelstand geben – mit der Zielgruppe Handwerk. Denn das alte Klischee von „trockener Technik“ und „langweiligen Produktdatenblättern“ gilt schon lange nicht mehr. Marketing im technischen B2B-Bereich kann kreativ, modern und extrem spannend sein.
Wie ich in die Branche gekommen bin
Mein Name ist Katharina und ich arbeite seit knapp sieben Jahren im Marketing bei Hager . Ein Unternehmen in der Elektrobranche mit der Hauptzielgruppe Elektrohandwerk. Hager zählt in der Branche zu den Marktführern, ist außerhalb davon aber kaum bekannt – ein typischer „Hidden Champion“, wie es sie im deutschen Mittelstand häufig gibt.
Schon während meines Abiturs habe ich mir viele Gedanken gemacht, in welchem Bereich und welcher Branche ich mich beruflich wohlfühlen könnte.
Wenn man meine Lehrer*innen aus der Schulzeit fragt, war wahrscheinlich schon seit der ersten Klasse klar, dass ich später irgendetwas mit Kommunikation machen würde – sehr zum Leidwesen meiner Sitznachbar*innen….
Das „Was“ war also schnell klar. Aber das „Wo“?
Im Rahmen eines Praktikums in der 9. Klasse durfte ich dann die Elektrobranche kennenlernen – und sie hat mich sofort begeistert. Für mich vereint sie Sinnhaftigkeit, technische Innovationen und Zukunftsthemen wie Energiewende oder Digitalisierung.
Was bedeutet B2B-Marketing überhaupt?
Eine Definition vorab: Von B2B spricht man, wenn ein Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen nicht an Endkund*innen verkauft, sondern an andere Unternehmen – also „Business-to-Business“.
In der Elektrobranche – beispielsweise bei Unternehmen wie „Hager “– oder in der Sanitärbranche – etwa „Hansgrohe “ – verkaufen produzierende Unternehmen ihre Produkte meist über einen mehrstufigen Vertrieb an den Fachgroßhandel. Dieser lagert die Ware und verkauft sie anschließend an das Fachhandwerk weiter.
In der Werkzeugbranche wiederum vertreiben manche Hersteller ihre Produkte direkt über eigene Online-Shops oder Stores. In beiden Fällen ist das Handwerk die zentrale Zielgruppe. (Hinweis: Die Werkzeuge werden auch über Baumärkte und Endkund*innen vertrieben , dies ist aber in diesem Beitrag nicht der Fokus )
Besonders spannend finde ich dabei, dass hier selten die Endkund*innen, Bauherr*innen oder Investor*innen alleine entscheidet, welche Marke eingesetzt wird. Häufig liegt diese Entscheidung auch bei den Fachbetrieben, die täglich mit den Produkten arbeiten und ihre Erfahrungen und Empfehlungen weitergeben.
Die Zielgruppe Handwerk
In vielen Bereichen unseres Alltags sind wir auf das Handwerk angewiesen. Gerade in der Elektrobranche gibt es erklärungsbedürftige oder sogar sicherheitsrelevante Arbeiten, die ausschließlich von Fachkräften durchgeführt werden dürfen. Hinzu kommt: Viele Tätigkeiten im Handwerk sind körperlich anspruchsvoll und finden unter herausfordernden Bedingungen statt – beispielsweise auf Baustellen oder Dächern im Sommer.
Genau deshalb finde ich das Handwerk eine unglaublich spannende Zielgruppe. Denn wer erfolgreich für diese Branche kommunizieren möchte, muss die Menschen, ihren Arbeitsalltag und ihre Herausforderungen wirklich verstehen.
Aus meiner Erfahrung gibt es dabei vier zentrale Punkte :
Vertrauen schlägt Werbung
Im Marketing für Handwerksbetriebe zählen weniger große Werbeversprechen, sondern vor allem Zuverlässigkeit, Qualität und praktische Lösungen. Entscheidend ist, ob Produkte im Arbeitsalltag wirklich funktionieren und ob man der Marke vertraut.
Deshalb ist es wichtig, die eigenen USPs und die Wahrnehmung der Marke am Markt genau zu kennen und gezielt in die Kommunikation einfließen zu lassen – man sollte nichts vorspielen !
Geschäft bleibt persönlich
Auch im B2B-Bereich entstehen viele Entscheidungen über persönliche Kontakte, Empfehlungen und langfristige Beziehungen. Deshalb spielen Messen, Außendienst und guter Kundenservice weiterhin eine wichtige Rolle.
Das Marketing muss diese Kommunikation sinnvoll begleiten und eine konsistente Markenwahrnehmung schaffen.
Praxisnah und fachlich korrekt
Marketing für das Handwerk sollte verständlich, relevant und praxisnah sein. Gleichzeitig spielen technische Details und Fachbegriffe eine wichtige Rolle und sollten in die Kommunikation einfließen: z.B. wenn es um Normen und Gesetze in der Branche geht.
Deshalb ist die enge Zusammenarbeit zwischen Marketing und technischen Fachabteilungen essenziell.
Die Branche wird digitaler
Auch das Handwerk verändert sich zunehmend. Viele Betriebe informieren sich online, nutzen Social Media oder arbeiten mit digitalen Tools.
Dadurch wird digitales Marketing immer relevanter. Hierbei ist es aber umso wichtiger authentisch zu bleiben und die Zielgruppe zu verstehen. Nicht immer ist z.B. eine „lockere“ Ansprache sinnvoll und zielführend.
Warum Marken im Handwerk so stark sind
Gerade im Handwerk ist Kundenloyalität extrem stark ausgeprägt. Viele Betriebe bleiben einer Marke über Jahre oder sogar Jahrzehnte treu. Und das funktioniert wirklich: Im Handwerk gibt es Marken, bei denen die Kundenbindung fast schon religiöse Züge annimmt.
Vielleicht kennst du das auch von bekannten Handwerker*innen: Wer einmal im „Team“ „Hilti “, „Festool “ oder „Stihl “ ist, verteidigt seine Marke oft wie einen Fußballverein. Sätze wie: „Da kommt mir nichts anderes ins Haus.“ oder „Einmal Festool, immer Festool.“ hört man regelmäßig.
Natürlich spielt die Qualität der Produkte eine entscheidende Rolle und ist nicht von der Hand zu weisen: Aber darüber hinaus liegt die eigentliche Stärke dieser Marken meiner Meinung nach in ihrer Markenführung und Kommunikation. Denn diese Unternehmen verkaufen nicht „nur“ Werkzeuge – sondern ein Lebensgefühl für Handwerker .
Beispiel 1: Hilti +
Hilti hat aus meiner Sicht verstanden, dass Handwerker keine Lust auf langweilige Werbung haben. Niemand möchte sich freiwillig eine PowerPoint-Präsentation über Bohrhämmer anschauen. Deshalb zeigt die Marke reale Baustellen, echte Einsätze und authentische Anwendungssituationen. Die Botschaft dahinter lautet sinngemäß: „Mit Hilti bist du kein normaler Handwerker – du bist Profi.“
Auf Social Media funktioniert das hervorragend. Die Marke zeigt:
Maschinen im Einsatz
Baustellen-Content
Produkttests
echte Handwerker:innen
Dadurch entsteht eine starke emotionale Bindung zur Marke, an der auf Social Media über 100.000 Menschen teilhaben.
Beispiel 2: Festool +
Festool verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Besonders im Holz- und Innenausbau gilt die Marke als Premiumanbieter. Man könnte sagen: Festool ist das „Apple des Holzhandwerks“. Das zeigt sich auch in der Kommunikation. Bilder, Videos und Produkte wirken hochwertig, aufgeräumt und präzise.
Die Botschaft: „Wer professionell und präzise arbeitet, nutzt Festool.“
Viele Handwerker:innen posten ihre Werkstätten inzwischen freiwillig auf Social Media – ähnlich wie andere Menschen ihre neuen Autos präsentieren. Dadurch entsteht sogenannter User-Generated-Content, der für die Marke enorm wertvoll ist.
DEC-Master – eine gute Vorbereitung?
Mit diesem Wissen über Markenwahrnehmung im B2B Bereich, erscheint die Arbeit im Marketing umso entscheidender für den Erfolg des Unternehmens. Denn hier entsteht die Kommunikation über die DNA des Unternehmens. Hier wird sichergestellt, dass die potentiellen Kund*innen von der Marke und den neuen Produkten und Lösungen erfahren.
Ihr stellt euch jetzt zurecht die Frage: „Aber wie bereitet mich der Studiengang DEC denn auf das Arbeiten im Marketing eines B2B Unternehmens vor? „
Aus meiner „Sommersemester‑Perspektive“ kann ich sagen: DEC trifft ziemlich genau das, was man im B2B‑Marketing später braucht :
Was mir besonders gefällt: KI wird nicht als Fremdkörper behandelt , sondern ganz selbstverständlich mitgedacht. Nicht als „Problem“, sondern als Werkzeug, das einem die Arbeit erleichtern kann und neue Perspektiven eröffnet – diese Erkenntnisse werden im Berufsleben sehr nützlich sein.
Und der Ausblick? Im Wintersemester geht’s dann mehr in Richtung Analyse . Ein Thema, das in der Praxis entscheidend wird: datengetriebenes Arbeiten , Analyse‑Methoden, digitale Marketing‑Technologien. Das hilft dabei, Kampagnen messbar zu machen, Zielgruppen besser zu verstehen und Entscheidungen fundierter zu treffen. Einen spannenden Einblick in das Wintersemester gibt euch dieser Beitrag von Marlene.
Kurz gesagt: DEC bereitet euch gut darauf vor im B2B‑Marketing zu starten – durch eine Mischung aus Praxis, Tools und strategischem Denken.
Warum mich die Arbeit im B2B-Marketing begeistert
Aber dieses Wissen ist natürlich nur die halbe Miete. Dass mir die Arbeit hier so viel Spaß macht, liegt vor allem an den Aufgaben selbst. Das oft etwas trockene Image von ‚Business-to-Business‘ täuscht nämlich gewaltig.
Warum ich so gerne in diesem Bereich arbeite und was mich daran fasziniert, hat vor allem drei Gründe:
1. Man lernt Zielgruppen wirklich zu verstehen
Damit Marketingkampagnen funktionieren, muss man verstehen, wen man überhaupt erreichen möchtest. Dabei geht es nicht darum, was euch persönlich gefällt – sondern was für die Zielgruppe relevant ist. Genau darin liegt aber auch die Herausforderung: Häufig arbeitet man mit Zielgruppen, mit denen man vorher kaum Berührungspunkte hatte. Deshalb ist aus meiner Sicht Zuhören unglaublich wichtig. Um Bedürfnisse, Probleme und den Arbeitsalltag besser zu verstehen, helfen beispielsweise:
Umfragen
Interviews
Social Media
Datenanalysen
direkter Austausch mit Kund:innen
Die Erkenntnisse werden anschließend häufig in sogenannten Personas zusammengefasst.
In meinem eigenen Job arbeite ich genau in diesem Bereich: im Zielgruppenmarketing.
Meine Aufgabe ist es, die Zielgruppe im Unternehmen zu vertreten und gleichzeitig Inhalte sowie Angebote zu entwickeln, die nachhaltig begeistern. So stellt das Unternehmen sicher, dass Kampagnen für neue Produkte und Lösungen so ausgearbeitet sind, dass sie die Kunden auch ansprechen. Zusätzlich werden durch meine Arbeit auch neue Inhalte und Medien erarbeitet und bespielt – so sind z.B. Wissens-Poster ein wichtiges Medium für Berufsschulen.
2. Marketing im Handwerk ist moderner als viele denken
Was ich an B2B-Marketing im Handwerk besonders spannend finde, ist die moderne Art der Kommunikation. Viele Unternehmen setzen längst nicht mehr nur auf klassische Werbung, sondern auf:
Social Media
Podcasts
Events
digitale Content-Formate
Influencer aus der Branche
Besonders spannend finde ich, dass Inhalte oft deutlich praxisnäher und authentischer sind als in vielen anderen Branchen.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Um das junge Elektrohandwerk besser zu erreichen, habe ich gemeinsam mit einem Kollegen den Podcast „Zukunft elektrisch “ gegründet. Dort sprechen wir mit Expert*innen aus dem Unternehmen sowie Gästen aus der Branche über aktuelle Themen. Ziel ist es, komplexe Inhalte aus der Elektrobranche verständlich und kurzweilig aufzubereiten, sodass man sich „einfach“ weiterbilden kann. Das ist wichtig, denn die Elektrobranche ist im Wandel und es kommen viele neue Technologien und Lösungen auf den Markt. Die Hersteller möchten sicherstellen, dass das Fachhandwerk eine Möglichkeit hat sich dahingehend weiterzubilden bzw. aktuell zu halten. Der Podcast ist daher, neben anderen Medien, ein wichtiger Kommunikationskanal um die Zielgruppe zu informieren.
Hier findest du den Podcast, zum Reinhören:
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Weitere Informationen
3. Man beschäftigt sich mit Zukunftstechnologien
Viele Produkte im B2B-Bereich – gerade in der Elektro- oder Werkzeugbranche – sind technisch komplex und erklärungsbedürftig.
Genau das macht die Arbeit für mich spannend. Themen wie: Energiewende, Nachhaltigkeit, Smart Home, Digitalisierung oder KI verändern die Branche aktuell enorm. Dadurch entstehen ständig neue Produkte, Lösungen und Technologien. Damit diese erfolgreich eingesetzt werden können, reicht es allerdings nicht aus, sie einfach nur zu verkaufen. Das Fachhandwerk muss verstehen wie Produkte funktionieren, wie sie installiert werden und wie sie im Alltag eingesetzt werden. Genau hier spielt das Marketing eine wichtige Rolle.
Gemeinsam mit Produktmanagement und technischen Expert*innen entstehen Inhalte wie:
How-to-Videos
Schulungen
Produktdemonstrationen
FAQ-Seiten
Anleitungen
So werden komplexe Themen und neue Lösungen verständlich und praxisnah erklärt, sodass auch der Einbau problemlos funktioniert.
Was ich daran besonders mag: Man bewirbt nicht einfach irgendein Produkt, sondern beschäftigt sich ständig mit Technologien und Entwicklungen, die direkten Einfluss auf die Zukunft haben. In meiner Position arbeite ich z.B. aktiv an Schulungen und Webinaren für das junge Elektrohandwerk und Lehrenden mit und bewerbe diese dann gezielt auf den passenden Kanälen, um die Zielgruppe zu erreichen.
Mein Fazit:
Die wenigsten denken bei Marketing wahrscheinlich an das Handwerk.
Aber ich kann sagen, dass spannende Marketingarbeit auch oder vielleicht besonders im B2B-Bereich entstehen kann: Man beschäftigt sich mit echten Herausforderungen aus der Praxis , arbeitet an Zukunftsthemen wie Digitalisierung oder der Energiewende und entwickelt Kommunikationsmittel, die Menschen im Arbeitsalltag erreichen und weiterhelfen. Außerdem finde ich spannend, wie nah man im B2B-Marketing an den Zielgruppen arbeitet. Man beschäftigt sich nicht nur mit Kampagnen, sondern versucht wirklich zu verstehen, was Kund*innen brauchen und wie Marken langfristig Vertrauen aufbauen können.
Deshalb glaube ich, dass B2B-Marketing für das Handwerk gerade für DEC-Studierende ein sehr spannendes Berufsfeld sein kann. Und das Wichtige : Der Studiengang Dialogmarketing & E-Commerce bereitet euch darauf sehr gut vor – viele Inhalte aus dem Studium lassen sich später direkt in der Praxis anwenden.
–> Hast du Fragen zu meiner Arbeit oder möchtest dich mit mir austauschen? Schreib mir gerne!
Dass man mit dem Master DEC in vielen Bereichen starten kann, zeigen euch auch die folgenden Beiträge von Alumnis aus dem DEC Studiengang:
Birgit Mellert und ihr Weg ins internationale Marketing
Florian Brenner uns sein Weg zum Data Consultant