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Twitch – Die Livestream-Plattform von Amazon

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Twitch – Die Livestream-Plattform von Amazon

Du möchtest am Abend entspannen, hast aber auf Netflix gefühlt jede Serie gesehen, dein Lieblings-Podcast läuft erst wieder in ein paar Tagen und der Fernseher steht bei dir schon lange still? Dann schau doch mal auf Twitch vorbei, der größten Livestream-Plattform von Amazon.

Was ist Twitch? Ein kurzer Rückblick

Im Jahr 2007 hatte Justin Kan, ein amerikanischer Yale-Absolvent, eine ausgefallene Idee. Mit der Webcam an der Mütze und dem Laptop im Rucksack hat er seinen Alltag per Livestream übertragen – ungeschnitten, Tag und Nacht. Über einen eingebundenen Live-Chat konnte Justin dabei mit seinem Publikum kommunizieren. Das Ganze wurde auf Justin.tv, einer nach ihm benannten Livestream-Plattform, übertragen. Das mediale Interesse an diesem Projekt führte dazu, dass man das Konzept ausbaute und dadurch weitere Streamer*innen auf der Plattform aufnahm. Dabei wurden auch neue Kategorien eingeführt, die verschiedenste Lebensbereiche beinhalteten.

Neben Kategorien wie Sport, Musik oder News etablierte sich vor allem der Gaming-Bereich auf Justin.tv, in dem sich die Streamer*innen beim Spielen von PC- und Konsolen-Games filmten. Aufgrund seines Erfolgs wurde der Bereich ausgegliedert und unter dem Namen Twitch.tv bekannt.

„A goal of Twitch is to be wherever gamers are, whether it’s on laptops and handheld devices or integrated into gaming consoles and software.“

Emmett Shear, Co-Founder of Twitch

In den Folgejahren ging alles sehr schnell: Twitch.tv wurde immer größer, was auch an großen Konzernen wie Amazon nicht vorbeiging. Aufgrund des Erfolgs der Plattform wurde die Betreibergesellschaft Justin.tv Inc. zu Twitch Interactive Inc. umbenannt. 2014 übernahm Amazon Twitch Interactive Inc. für 970 Millionen US-Dollar und entwickelte die Plattform kontinuierlich weiter. Heutzutage ist Twitch.tv, oder kurz Twitch, die mit Abstand größte Livestream-Plattform im europäischen und amerikanischen Raum.

Zuschauen auf Twitch: browserbasiert oder mit der Twitch App

Du kannst Twitch über alle gängigen Webbrowser öffnen. Das gilt sowohl für Desktop PC, als auch für Laptops, mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets oder für Videospielkonsolen. Falls du unterwegs bist oder dein Datenvolumen eingeschränkt ist, kannst du auch problemlos die Qualität der einzelnen Streams anpassen. So kannst du Twitch nahezu jederzeit und überall nutzen – aber Finger weg davon während den Vorlesungen der Hochschule!

Falls du die Twitch App nutzen möchtest, musst du dich registrieren. Wie die Registrierung funktioniert und auf welche Features du damit Zugriff hast, zeige ich dir im weiteren Verlauf des Beitrags. Zunächst gibt es noch einen Überblick darüber, welche Art von Streams derzeit auf Twitch laufen.

Was gibt es auf Twitch zu sehen?

Schon auf den ersten Blick stellt man fest: Videospiele dominieren die Plattform, getreu ihrer Wurzeln. Populäre Spiele wie League of Legends, Counter-Strike: Global Offensive oder Fortnite weisen rund um die Uhr hohe Zuschauerzahlen auf.

Übersicht der Kategorien, sortiert nach absteigenden Zuschauerzahlen

Wenn dich Videospiele nicht interessieren, kannst du dich aber in zahlreichen weiteren Kategorien durchklicken und Streams entdecken. Im Folgenden findest du eine kleine Auswahl an Kategorien, die für dich von Interesse sein könnten:

Just Chatting

Just Chatting ist eine ziemlich allgemein gehaltene Kategorie. Hier können Streamer*innen auf Chat-Fragen eingehen, auf virale Videos reagieren (Stichwort: Reactions, eine beliebte Rubrik im YouTube-Bereich) Kochrezepte ausprobieren oder generell ihre Alltagserlebnisse streamen.

Besondere Events

Diese Kategorie umfasst alle Streams, die Events in irgendeiner Form abdecken: Messen wie die Gamescom, die weltweit größte Messe für interaktive Unterhaltung in Köln, Spenden-Streams wie zum Beispiel Games Done Quick (GDQ) oder auch spezielle Twitch-Events wie TwitchCon, einer Messe für Streamer*innen und Zuschauer*innen, um sich auch persönlich zu treffen.

Eine persönliche Empfehlung sind die Events von Games Done Quick, in denen Klassiker unter den Videospielen, aber auch neue Titel möglichst schnell durchgespielt werden und dabei für Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen Spenden gesammelt werden. In mehreren Tagen sammelt die Community Beträge in Millionenhöhe!

Musik

Ganz gleich ob klassische Streichinstrumente oder eine DJ-Performance: In dieser Kategorie geht es um Musik in allen Formen. Streamer*innen präsentieren ihr musikalisches Talent, bekommen Live-Feedback vom Chat oder diskutieren über ihre eigenen Kompositionen. Auf alle Fälle kannst du hier deinen musikalischen Horizont erweitern, wenn du dich darauf einlässt!

Kunst

3D-Zeichnungen, Scribbles oder auch ein entspannter Episodenmarathon des verstorbenen Künstlers Bob Ross gibt es hier zu sehen. Der Kreativität sind in dieser Kategorie kaum Grenzen gesetzt, vorausgesetzt die Streamer*innen halten sich an die Nutzungsbedingungen von Twitch. Allerdings sind Kunstformen wie Body Painting möglich – es ist also auch etwas Freizügigkeit erlaubt.

Schach

Schach ist relativ neu auf Twitch, konnte aber sehr schnell an Popularität gewinnen und hat teilweise über 200.000 aktive Zuschauer*innen. Das liegt vor allem daran, dass die besten Schachspieler*innen der Welt auf der Plattform streamen und über ihre Züge und Gedankengänge reden – etwas, das in offiziellen Schachpartien nicht zur Geltung kommt. Auch bekannte Streamer*innen aus anderen Kategorien wagen sich an den Schachsport heran und lernen live von Profis.
Seit 2020 streamt sogar der wohl beste Schachspieler aller Zeiten auf Twitch: Magnus Carlsen.

Watch Partys

Bei Watch Partys handelt es sich um eine interessante Vernetzung von zwei Amazon-Diensten: Wer über einen Amazon Prime-Zugang verfügt und diesen mit Twitch koppelt, kann mit Streamer*innen und anderen Zuschauenden auf den Prime Video-Katalog zugreifen, um gemeinsam Serien und Filme zu schauen. Wenn du gern deinen Senf zu jedem Film- oder Seriendetail abgibst und deine Beziehungen mit Familie und Freunden nicht überstrapazieren möchtest, bist du hier bestens aufgehoben.

Filter für den besseren Durchblick

Um nicht völlig von der Masse an Kategorien erschlagen zu werden, kannst du einige Filtermöglichkeiten nutzen. Die Empfehlungen, die Twitch dir vorschlägt, basieren auf deinem Standort, den Streams, die du bereits besucht hast oder beinhalten beliebte Streams von einzelnen Kategorien. Zudem kannst du dir Kategorien mit den höchsten Zuschauerzahlen ausgeben lassen und gewinnst damit schnell einen Überblick, was auf Twitch gut läuft.

Registrierung in wenigen Schritten

Die Registrierung auf Twitch verläuft schnell, unkompliziert und völlig kostenlos. Dazu benötigst du lediglich eine E-Mail-Adresse zur Verifizierung deines neu eingerichteten Zugangs.

An der Qualität und Quantität der Streams ändert sich dadurch zwar nichts, aber eine Registrierung bietet dir einige interessante Möglichkeiten:

  • Du kannst die App auf dem Desktop, Smart TV, mobilen Endgeräten und Konsolen nutzen.
  • Nach erfolgreicher Registrierung kannst du die Chat-Funktion auf Twitch nutzen, das wohl wichtigste Feature der Streaming-Communities.
  • Du kannst Kanälen kostenlos folgen, um sie für einen Schnellzugriff in deiner Seitenleiste anzulegen. Zudem erhältst du auf Wunsch eine Benachrichtigung, wenn die Streamer*innen deiner Wahl live sind.
  • Wenn dir danach ist und du deinen Account entsprechend eingerichtet hast, kannst du auch selbst streamen!
  • Du hast Zugriff auf zahlungsbasierte Modelle wie Twitch Prime und Twitch Turbo und kannst auf deren Vorteile zurückgreifen, die in diesem YouTube-Video näher erklärt werden:
https://www.youtube.com/watch?v=U_Z095gBYv4
Die Unterschiede zwischen Basisfunktionen von Twitch, Twitch Prime & Twitch Turbo

Stärken und Schwächen der Plattform

Twitch ist die größte Livestream-Plattform für Entertainment.
Im Livestream-Bereich kommt man derzeit kaum an Twitch vorbei. Mehr als zwei Millionen Streamer*innen sind auf der Plattform vertreten. Über alle Zuschauer*innen hinweg wurden im Jahr 2020 über 18,4 Milliarden Stunden damit verbracht, laufende Streams zu verfolgen. Im Kontext mit anderen Livestream-Plattformen wie YouTube Live, Facebook oder Mixer besitzt Twitch einen Marktanteil von über 65%.

Nicht nur die Zahlen sprechen für Twitch, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung: Neben bestehenden Kategorien erweitert Twitch sein Repertoire ständig, wie zum Beispiel mit der Übertragung von NFL-Spielen oder politischen Streams.

Unkomplizierter Zugang, kostenlose Nutzung.
Wie bereits aufgezeigt ist der Dienst für dich völlig kostenlos, sofern du über deinen Webbrowser auf Twitch zugreifst. Eine Registrierung ermöglicht dir zwar weiteren Spielraum, ist aber für die pure Unterhaltung nicht notwendig.

Gemeinschaftsgefühl und Emotes.
Sowohl kleine, als auch große Streamer*innen haben die Möglichkeit, ihre eigene Community aufzubauen – also ein Kollektiv aus Zuschauer*innen, die regelmäßig im Stream vorbeischauen und aktiv im Chat sind. Im Chat gibt es dabei die Möglichkeit, sogenannte Emotes zu versenden, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Streamer*innen können beispielsweise Emotes mit eigenen Grimassen einrichten, die ihre Community im Chat verwenden können. Der Stream wird somit lebhafter, die Kommunikation erfolgt nahezu unmittelbar und unkompliziert.

Beispielhafte Emotes auf Twitch: sowohl stream-spezifisch (links), als auch global einsetzbar (Mitte, rechts)

Negativ: Der Ad-Blocker wird geblockt.
Während Browsererweiterungen wie AdBlock früher problemlos Werbung auf den einzelnen Streams verhinderten, ist Twitch ziemlich erfolgreich damit, diese Erweiterungen zu umgehen.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Streamer*innen, allem voran aber Twitch selbst, verdient mit jeder Werbeeinblendung etwas dazu. Deinen Lieblings-Streamern*innen etwas Solidarität zu zeigen ist in Ordnung, aber wenn man als User neu auf der Plattform ist und nach jedem angeklickten Stream eine Werbung sieht, kann das schnell abschrecken.

Gratwanderung von Trends.
Auf Twitch gibt es immer wieder Trends, die sich durch große Streamer*innen etablieren und eine Menge Aufmerksamkeit der Zuschauerschaft erhalten. Aktuell sind das

  • Hot tub-Streams, in denen sich Streamer*innen freizügig in Pools und Badewannen zeigen und oftmals suggestiv und provokant agieren.
  • Glücksspiel-Streams, in denen um Echtgeld gespielt wird.

Streamer*innen beider Kategorien bewegen sich im Rahmen der Nutzungsbedingungen von Twitch – andernfalls werden sie gebannt und können so zeitweise oder gar nicht mehr auf Twitch streamen. Aber die meisten von ihnen agieren in Grauzonen und richten sich bewusst oder unbewusst an jüngere Zielgruppen oder leicht beeinflussbare Personen. Negative Trends werden erst dann gestoppt oder eingeschränkt, wenn Twitch aktiv dagegen vorgeht.

Über 119.000 aktive Zuschauer beim Glücksspiel: xQcOW, einer der größten Streamer auf Twitch

Fazit

Schon zu Anfangszeiten stand Twitch für eine Plattform voller Spaß, Unterhaltung und Einblicke in den Alltag von Anderen – uneingeschränkt und ständig erreichbar. Das Repertoire an Streaming-Inhalten wurde über Jahre hinweg erweitert und nicht zuletzt deswegen hat sich die Plattform zur Größten seiner Art entwickelt. Mittlerweile ist für nahezu jeden etwas dabei, vorausgesetzt, man findet sich in der Vielzahl von Kategorien und Live-Streams zurecht. Diese und andere Schwächen kann man als Nutzer*in akzeptieren, da die Stärken eindeutig überwiegen.

Falls keine der Kategorien dein Interesse weckt, kannst du natürlich auf die Videoplattform YouTube zurückgreifen. Mit Hilfe des Streaming-Portals Netflix könntest du dir zusätzlich das Unifeeling in Zeiten von Home-Schooling nach Hause holen – hierzu findest du einen weiteren interessanten Beitrag im Newsroom.

Stream-Empfehlungen für dich
  • Magnus Carlsen, bester Schachspieler aller Zeiten
  • Ludwig Angren, aktuell einer der größten Streamer der Plattform mit kreativen Stream-Ideen
  • Pokimane, die seit Jahren populärste Streamerin auf Twitch
  • Games Done Quick, Kanal für Speedruns aller Art und zuständig für die größten Spenden-Streams auf Twitch
  • Lirik, entspannter Streamer mit Fokus auf Videospielen von kleinen und großen Entwicklern
Bildquellen
  • Titelbild: eigenes Bild; Quelle des Streams: Magnus Carlsen
  • Übersicht der Kategorien, sortiert nach absteigenden Zuschauerzahlen: eigenes Bild, aufgenommen auf Twitch.tv
  • Registrierung und Einrichtung deines Twitch-Accounts in vier Schritten: eigene Screenshots, aufgenommen auf Twitch.tv
  • Beispielhafte Emotes auf Twitch: sowohl stream-spezifisch (links), als auch global einsetzbar (Mitte, rechts): StreamElements
  • Über 119.000 aktive Zuschauer beim Glücksspiel: xQcOW, einer der größten Streamer auf Twitch: Bigwinboard